Wie nutze ich meine Selbständigkeit für neue berufliche Wege?

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Selbstständigkeit als Sprungbrett

Die Selbstständigkeit kann mehr sein als nur ein beruflicher Status – sie kann zum Sprungbrett für völlig neue Kapitel werden. Ob zurück ins Angestelltenverhältnis, in eine weitere Gründung oder in eine Kombination aus beidem: Die Frage, wie man diese Erfahrung nutzt, beschäftigt viele Unternehmer. Lass uns gemeinsam erkunden, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben.

Die verschiedenen Szenarien des Wechsels

Die berufliche Landschaft nach oder während einer Selbstständigkeit kennt mehrere Pfade. Da wären zum einen jene Gründer, die aus verschiedenen Gründen wieder in ein Dienstverhältnis wechseln möchten – mit oder ohne parallele Selbstständigkeit. Zum anderen gibt es Unternehmer, die ihr erstes Business als Fundament für weitere Gründungen nutzen wollen. Manche haben ihre erste Firma verkauft und starten bei einer neuen Idee wieder bei Null.

Die zentrale Frage dabei: Wie nutzt man das eine zum anderen? Ist die Selbstständigkeit überhaupt ein Vorteil für den nächsten Schritt – oder eher ein Hindernis?

Der Wechsel zurück ins Angestelltenverhältnis

Betrachten wir zunächst die Situation, in der jemand wieder in ein Dienstverhältnis einsteigen möchte. Die Kombination ist durchaus möglich: Selbstständigkeit nebenbei fortführen und gleichzeitig angestellt sein. Doch wie wirkt das auf potenzielle Arbeitgeber?

Die Realität zeigt: In vielen Bereichen ist eine bestehende oder kürzlich beendete Selbstständigkeit nicht gerade förderlich im Bewerbungsprozess. Arbeitgeber reagieren häufig mit Skepsis. Die Sorge dahinter ist nachvollziehbar: Bin ich nur ein Sprungbrett? Bleibt diese Person langfristig oder ist das nur eine Übergangslösung?

Die Perspektive des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber wünscht sich eine längerfristige Arbeitsbeziehung. Er tätigt ein Investment in deine Person, deine Ausbildung, deine Integration in die Organisation. Die Befürchtung, nur als Plan B oder zweite Wahl zu dienen, während das Herz eigentlich an der Selbstständigkeit hängt, ist real.

Besonders wenn eine parallele Selbstständigkeit fortgeführt werden soll, wächst die Irritation: Was wird das? Wofür braucht diese Person die Anstellung wirklich?

Die Scheitern-ist-Scheitern-Kultur

Gerade in Österreich und Deutschland ist das Scheitern einer Business-Idee nicht gerade positiv behaftet. Anders als in amerikanischen Biografien, wo gescheiterte Gründungen als wertvolle Lernerfahrung gelten, haftet hier oft ein Makel daran.

Dabei ist wichtig zu verstehen: Das Beenden einer Selbstständigkeit bedeutet nicht zwingend Scheitern. Vielleicht möchte man einfach nicht mehr selbstständig sein. Vielleicht haben sich die Lebensumstände verändert. Vielleicht ist die Priorität eine andere geworden.

Doch wenn beim Arbeitgeber die Unterstellung entsteht, man wechsle nur aus Notwendigkeit, weil die Selbstständigkeit der gescheiterte Plan A war, dann ist das tatsächlich kein Vorteil im Bewerbungsprozess.

Die wertvollen Erfahrungen aus der Selbstständigkeit

Trotz aller Skepsis seitens mancher Arbeitgeber: Jeder, der sich einmal im Leben selbstständig gemacht hat, durchläuft eine wahnsinnige Persönlichkeitsreise. Diese Erfahrungen – über die eigene Person, über das, was es bedeutet, Aufträge abzuwickeln, zu Kunden zu kommen, ein Angebot zu entwickeln – kann dir keiner mehr wegnehmen.

Das Mindset, das man in der Selbstständigkeit entwickelt, die Art zu denken, die Herangehensweise an Probleme: All das bleibt. Und das kann für zukünftige berufliche Schritte durchaus wertvoll sein.

Das unternehmerische Denken als Asset

Die ganz starke Kundenzentrierung, die ein Selbstständiger haben muss, unterscheidet sich fundamental von der Perspektive vieler Angestellter. Als Selbstständiger fragst du bei jeder Aktion: Was bedeutet das für den Kunden? Was bedeutet das für den Umsatz?

Wenn ein Unternehmen Angestellte hätte, die konsequent kundenorientiert denken, wäre das für die allermeisten Organisationen ein riesiges Potenzial. Denn die meisten Angestellten denken nicht so – klarerweise, weil sie es nicht gewohnt sind und weil es auch nicht ihre primäre Aufgabe ist.

An den richtigen Positionen können unternehmerisch denkende Menschen, die selbst schon gespürt haben, wie es ist, dem Kunden gegenüberzutreten, welchen Wert man versprechen muss, damit sich dieser von seinem Geld trennt – solche Menschen können vieles verändern.

Die andere Seite der Medaille

Gleichzeitig können solche unternehmerisch denkenden Typen auch Unruhe in Organisationen bringen. Sie sehen Dinge, die nicht besonders kundenorientiert sind. Sie sind möglicherweise ungeduldig mit Aktionen, bei denen unklar ist, was sie bringen – weil man sich das in der Selbstständigkeit nicht hätte leisten können.

Diese konsequente Frage “Was tun wir hier eigentlich und wie setzen wir unsere Ressourcen gut ein?” kann zu unbequemen Erkenntnissen führen. Nicht jedes Unternehmen ist bereit für solche Impulse.

Wann passt es zusammen?

Die entscheidende Frage ist: Welche Position steht im Fokus? Würde die Selbstständigkeitserfahrung für diese spezifische Rolle positiv einzahlen? Das ist keine pauschale Antwort, sondern hängt vom konkreten Kontext ab.

In manchen Organisationen, an bestimmten Positionen, mit dem richtigen Führungsstil drumherum kann ein ehemaliger Selbstständiger eine enorme Bereicherung sein. In anderen Kontexten mag es weniger gut passen.

Der Weg zur nächsten Gründung

Betrachten wir nun die andere Richtung: Du möchtest eine weitere Geschäftsidee verfolgen, ein neues Business eröffnen. Vielleicht hast du die vorige Firma sogar verkauft und startest wieder bei Null. Wie hilft dir die erste Selbstständigkeit dabei?

Die Learnings aus der ersten Gründung können dich wesentlich schneller in eine neue Aufbauphase bringen. Manche Fehler, die du schon einmal gemacht hast, wirst du sicherlich nicht wiederholen. Das abgekürzte Learning ist ein echter Vorteil.

Die Finanzierungsfrage

Wenn du zur Bank gehst und Kapital für die neue Geschäftsidee brauchst, kann deine Selbstständigkeit sowohl Befürworter als auch Hindernis sein. Es ist immer die Frage: Was ist dein Vorhaben und wie nutzt du das eine für das andere?

Hast du ein profitables Unternehmen geführt, wirst du sicherlich eher Kredite oder Kapital für eine neue Geschäftsidee bekommen. Ist die erste Gründung gescheitert oder läuft nicht gut, dann hast du möglicherweise ein Darstellungsproblem. “Aber jetzt wird es funktionieren” reicht ohne sauberen Businessplan und Planumsatzkalkulation nicht aus.

Es reicht nicht aus, nur aus Fehlern zu lernen – du musst auch schauen, dass das für andere nachvollziehbar ist.

Sozial akzeptierte Gründe für Veränderung

Manche Situationen im Leben machen den Wechsel relativ gut argumentierbar. Wenn sich im privaten Umfeld etwas verändert – ein Kind ist unterwegs, Familie wird gegründet, die Lebensphase ändert sich – dann sind das für Arbeitgeber meist nachvollziehbare Gründe.

Die meisten verstehen, wenn jemand nach der Karenz nicht mehr selbstständig sein möchte oder mit Familiengründung nach mehr Sicherheit sucht. Diese Veränderungen in der Lebenssituation als Argument zu nehmen für einen Wechsel funktioniert gut. Da braucht man sich relativ wenig zu rechtfertigen.

Die Perspektive aus der Praxis

Aus der Erfahrung als Führungskraft in Bewerbungsgesprächen: Eine Selbstständigkeit muss nicht negativ sein, egal wie sie verlaufen ist. Auch wenn sie kurz war, vermittelt sie zumindest den Eindruck einer entsprechenden Lebenserfahrung.

Aus der Perspektive der Gründungsberatung ist interessant: Wenn jemand schon mehrere Selbstständigkeiten verfolgt hat, stellt sich die Frage nach dem Grund für das erneute Gespräch. Irgendwo gibt es etwas, was nicht so funktioniert hat. Was sind die Learnings? Was waren die Hindernisse? Was kann man damit machen?

Diese Hellhörigkeit ist berechtigt – aber nicht negativ wertend. Es geht darum zu verstehen und daraus zu lernen.

Die Balance der Prioritäten

Eine der größten Herausforderungen beim Kombinieren verschiedener beruflicher Standbeine: Die Verteilung der Energie. Der Hauptjob fordert dich, die Selbstständigkeit braucht Aufmerksamkeit – und dann ist da noch das Privatleben. Diese Balance zu finden ist entscheidend für nachhaltigen Erfolg.

Manche Menschen entwickeln bewusst verschiedene berufliche Standbeine – eine Kombination aus Anstellung, Selbstständigkeit und vielleicht sogar Beteiligungen. Dieses Portfolio-Unternehmertum kann sehr bereichernd sein, erhöht aber auch die Komplexität des Berufslebens.

Strategische Überlegungen zum Timing

Wann macht ein Wechsel oder eine Veränderung Sinn? Eine Selbstständigkeit kann in verschiedenen Lebensphasen sinnvoll sein: während der Karenz, in der Pension oder einfach als zweites Standbein neben dem Job. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt für dich persönlich zu finden.

Überlege dir gut: Ist die Kombination aus Selbstständigkeit und Anstellung nur eine Übergangsphase oder ein dauerhaftes Modell? Beide Wege sind legitim. Entscheidend ist, dass die Strategie zu deiner Lebenssituation und deinen langfristigen Zielen passt.

Keine Rechtfertigung nötig

Am Ende ist eine Zusammenfassung zwar vielleicht pauschal, aber treffend: Alles im Leben hat Vor- und Nachteile – auch die Selbstständigkeit, wenn man etwas daran verändert. Die Vorteile überwiegen jedoch.

Wir brauchen uns für unsere Selbstständigkeit nicht zu genieren. Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir brauchen uns nicht zu rechtfertigen. Die Erfahrungen sind, wie sie sind. Die Ergebnisse können positiv oder negativ sein. Aber die Erfahrungen selbst sind wertvoll.

Wir haben alle Möglichkeiten zu jeder Zeit, wo uns das Spaß macht oder wo wir das für sinnvoll halten, neue berufliche Pfade einzuschlagen – mit oder ohne Selbstständigkeit. Diese Freiheit steht uns genauso zu wie allen anderen.

Ein Wort zum Schluss

Die Selbstständigkeit als Sprungbrett zu nutzen bedeutet nicht, sie als Mittel zum Zweck zu missbrauchen. Es bedeutet, die wertvollen Erfahrungen, das entwickelte Mindset, die gewonnenen Erkenntnisse bewusst für den nächsten Schritt einzusetzen – welcher das auch immer sein mag.

Ob zurück in die Anstellung, in eine neue Gründung, in eine Kombination verschiedener beruflicher Standbeine oder in völlig andere Richtungen: Die Zeit der Selbstständigkeit prägt. Sie verändert die Art zu denken, zu arbeiten, Herausforderungen zu begegnen. Diese Veränderung bleibt – unabhängig davon, welchen Weg du danach einschlägst.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup sprechen wir gerne über deine spezifische Situation. Ob du gerade überlegst, aus der Selbstständigkeit in eine Anstellung zu wechseln, eine neue Gründung planst oder verschiedene Optionen abwägst – manchmal hilft ein Gespräch, um Klarheit zu gewinnen und den nächsten Schritt selbstbewusst zu gehen.

Die Links

Podcast-Folge #40: Was bedeutet “unternehmerisches Denken”?

Podcast-Folge #55: Was bedeutet “nebenbei selbstständig”?

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Günter Schmatzberger
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