Der Podcast
Eine wichtige Frage im Solo-Business
“Ich mache das schon selber.” Dieser Satz ist in der Gründungsphase so verbreitet wie der Wunsch nach dem ersten zahlenden Kunden. Und er ist meistens gut gemeint – aber nicht immer gut gedacht. Früher oder später fragt sich fast jede Gründerin und jeder Gründer: Welche Aufgaben mache ich selbst – und was lagere ich aus?
Die Antwort ist komplexer, als sie auf den ersten Blick scheint. Und sie hat mehr mit unternehmerischem Denken zu tun als mit der schlichten Fähigkeit, ob man eine Website bauen kann oder nicht.
Verantwortung ≠ Ausführung
Hier liegt der erste, entscheidende Gedankenknoten, den es zu lösen gilt. Als Solopreneurin oder Solopreneur bist du für alles verantwortlich. Für das Angebot, die Kunden, die Buchhaltung, das Marketing, die Terminfindung, die Website – die ganze Palette. Diese Verantwortung bleibt dir. Die kann dir niemand abnehmen.
Aber: Verantwortung tragen bedeutet nicht, alles selbst ausführen zu müssen.
Das klingt offensichtlich. Und dennoch erleben Günter und Camillo in ihrer Gründungsberatungspraxis immer wieder, dass genau diese Unterscheidung nicht gemacht wird. Der Grund dafür liegt tief im Angelernte: In der Schule gab es Hausübungen, die du selbst machen musstest. Im Angestelltenverhältnis landeten Aufgaben auf deinem Tisch, die du – auch wenn sie nicht zu deiner eigentlichen Funktion gehörten – irgendwie erledigt hast. Diese Haltung, alles, was auf dem Tisch liegt, selbst zu lösen, schleppt man in die Selbstständigkeit mit.
Irgendwann muss aber der Punkt kommen, wo man anfängt, unternehmerisch zu denken.
Das Webseiten-Syndrom
Ein Klassiker aus der Gründungspraxis, den wohl fast jeder Gründungsberater kennt: Die Webseite. Nächte werden geopfert. Tutorials werden geschaut. Farben ausgewählt. Texte verfasst. Und das alles – zu einem Zeitpunkt, wo oft noch nicht einmal klar ist, was das eigentliche Angebot sein soll.
Günter bringt es auf den Punkt: Die erste unternehmerische Aufgabe ist es, herauszufinden, wer der Kunde ist, was er will und wie man ihm am besten helfen kann. Nicht, ob die Website jetzt blau oder rot ist.
Das Webseiten-Syndrom ist dabei nur ein Symptom eines tieferliegenden Problems: Man investiert wertvolle Ressourcen – Zeit, Energie, Konzentration – in Dinge, die erstens zum falschen Zeitpunkt passieren und zweitens nicht den größten Mehrwert in der Wertschöpfungskette bringen.
Die Sparmeister-Falle
Natürlich gibt es einen handfesten Grund, warum so viele Gründerinnen und Gründer Dinge lieber selbst erledigen: Es kostet halt Geld, wenn man es auslagert. Und gerade am Anfang – wenn das Solo-Business noch keine verlässlichen Einnahmen generiert – schaut man sehr genau aufs Geld.
Da meldet sich dann diese innere Stimme: Die Webseite, das kann ich schon.
Camillo spricht hier von einem emotionalen Thema. Und er hat recht. Es geht nicht darum, ob man grundsätzlich weiß, dass ein Profi das besser machen würde. Das weiß man meistens. Es geht darum, dass man sich in der Gründungsunsicherheit einfach schwer tut, Geld für etwas auszugeben, bevor man auch nur einen Euro verdient hat. Der Kopf sagt “Investition macht Sinn”, das Herz sagt “Aber was, wenn es sich nicht rentiert?”
Dieses Spannungsfeld kennt Günter aus eigener Erfahrung – und er gibt zu, sich noch heute dabei zu erwischen, diese Gedanken zu haben. Selbst erfahrene Gründer sind nicht immun dagegen.
Unternehmerisch denken: Was ist deine eigentliche Wertschöpfung?
Hier liegt der Kerngedanke der ganzen Episode – und er ist buchstäblich das Herzstück unternehmerischen Denkens: Was ist in deiner Wertschöpfungskette wirklich entscheidend?
Konkret: Wo merkt der Kunde, dass du gute Arbeit leistest? Welche Faktoren bringen ihn überhaupt zu dir? Und bei diesen Dingen – da kann man nicht sparen. Da muss es exzellent sein. Und wenn man selbst nicht in der Lage ist, das exzellent umzusetzen, dann muss man sich Unterstützung holen.
Es gibt ein Buch in diesem Zusammenhang: Buy Back Your Time. Die Grundidee dahinter ist simpel und gleichzeitig wirkungsmächtig: Wie kannst du dich so freispielen, dass du wirklich mit deinen Kernkompetenzen draufbleiben kannst? Dass du der- oder diejenige bist, die ständig neue Ideen entwickelt, vor Kunden präsentiert, Workshops hält – was auch immer dein Unikum ist?
Dafür braucht es die Bereitschaft, andere Dinge abzugeben.
Was kann nur ich?
In der Gründungsphase kommt es genau darauf an, herauszuarbeiten, was wirklich unique ist. Was kann nur ich? Was macht meine Arbeit wertvoll?
Und dann: Was sind die anderen Dinge, die das nicht sind?
Die Antwort auf diese Frage sollte die Landkarte sein, nach der man entscheidet, was ausgelagert wird. Nicht das Budget, nicht die Tagesform, nicht die Angst vor der Investition. Sondern die ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle im eigenen Business.
Dabei ist Folgendes wichtig zu verstehen: Am Anfang wird man viele Dinge selbst machen. Das ist realistisch und völlig in Ordnung. Aber die Zielsetzung sollte von Anfang an klar sein – diese anderen Dinge Schritt für Schritt auszulagern.
Wer nicht gerne mit Menschen spricht: Such dir jemanden, der die Kommunikation nach außen abfedert. Wer keine Texte schreiben mag oder kann: Gib das ab – oder überleg, ob du die Website überhaupt brauchst. Als Solopreneurin und Solopreneur hast du zum ersten Mal wirklich die Möglichkeit, Dinge, die auf deinen Tisch kommen, bewusst abzulehnen. Das ist ein Privileg, das im Angestelltenverhältnis so nicht existiert.
Auslagern ist nicht verschwenden – es ist investieren
Ein Denkfehler, der in der Gründungsphase besonders verbreitet ist: Geld für ausgelagerte Aufgaben ausgeben wird als Kostenfaktor betrachtet. Dabei ist es eine Investition.
Und Unternehmen, die nicht investieren, stagnieren – oder sterben, im schlimmsten Fall. Das ist eine Weisheit, die man kennt. Sie auf sich selbst und das eigene kleine Solo-Business anzuwenden, fällt trotzdem schwer.
Dabei ist der Nutzen des Auslagerns weit größer als nur die eingesparte Zeit. Camillo bringt es auf eine schöne Formel: Es geht nicht nur darum, Zeit zurückzubekommen – sondern auch Freude. Dinge, die belasten und die Kreativität blockieren, gehen zu Lasten der Energie, die man eigentlich für die Kernarbeit braucht. Gibt man sie ab, bekommt man nicht nur Stunden zurück, sondern auch mentale Kapazität und Leichtigkeit.
Wachstum durch Delegation: Der unerwartete Nebeneffekt
Auslagern hat noch einen weiteren, weniger offensichtlichen Vorteil: Es schafft Wachstumspotenzial.
Wer alles selbst macht, deckt irgendwann sein eigenes Limit auf. Der Tag hat nur so viele Stunden – und wenn man gleichzeitig beim Kunden arbeitet und den ganzen restlichen Betrieb am Laufen hält, stoßt man früher oder später an eine natürliche Decke. Man ist gedeckelt.
Wer hingegen frühzeitig lernt, zu delegieren und Kooperationen aufzubauen, schafft sich ein Netzwerk von verbündeten Partnern – und damit die Flexibilität, auch größere Auftragsvolumina zu bewältigen. Wachstum unter Anführungszeichen ist dann schon vorprogrammiert, wie Camillo es nennt.
Praktische Orientierung: Woran du die Auslagerungsentscheidung festmachst
Es gibt keine universelle Checkliste, die für jedes Business gilt. Aber es gibt ein paar Leitfragen, die helfen:
- Ist diese Aufgabe Teil meiner Kernkompetenz? Wenn ja, solltest du sie selbst machen – und zwar exzellent. Wenn nein, ist sie ein Kandidat fürs Auslagern.
- Merkt der Kunde den Unterschied? Wenn ja, ist Qualität entscheidend – entweder du kannst sie liefern oder du holst jemanden, der das kann.
- Kostet mich diese Aufgabe unverhältnismäßig viel Zeit oder Nerven? Dann rechne einmal durch, wie viel Zeit du sparst – und was diese Zeit wert wäre, wenn du sie für kundenwirksame Arbeit nutzt.
- Mache ich das zum falschen Zeitpunkt? Manche Dinge sind nicht grundsätzlich falsch, aber zu früh. Eine Webseite macht Sinn – aber erst, wenn das Angebot steht.
Und manchmal hilft es schlicht, mit einem Außenstehenden zu reden. Mit jemandem, der den Überblick hat und der helfen kann zu sortieren, was wirklich dringend ist und was man getrost loslassen kann.
Ein Wort zum Schluss
Das Thema “selbst machen oder auslagern” ist eines, das einen als Gründerin oder Gründer von Beginn an begleitet und nie wirklich aufhört. Es ist kein Problem, das man einmal löst und dann abhakt. Es kehrt wieder – besonders dann, wenn Umsätze schwanken und der Spargedanke lauter wird.
Die Einladung aus dieser Folge ist deshalb nicht, alles auszulagern. Sondern bewusst darüber nachzudenken. Sich die Frage zu stellen: Was kann nur ich? Und alles andere Schritt für Schritt abzugeben – mit dem klaren Blick, dass das keine Schwäche ist, sondern unternehmerisches Denken.
Du willst herausfinden, welche Aufgaben in deinem Business wirklich zu dir gehören – und was du getrost delegieren könntest? Beim kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam auf dein Solo-Business und helfen dir, diese Entscheidungen klarer zu treffen.
Die Links
- Dan Martell: Kauf deine Zeit zurück (engl: Buy Back Your Time) – Über strategische Delegation und das Freispielen für Kernkompetenzen
