Der Podcast
Das Missverständnis über Risiko und Gründung
Das größte Risiko bei der Gründung ist nicht das, was du denkst. Es geht nicht um dein Geld, nicht um deine Zeit und auch nicht um deinen Ruf. Das größte Risiko ist schlichtweg, dass du keine zahlenden Kunden findest. Alles andere – die schöne Website, das durchdachte Konzept, die perfekte Buchhaltung – ist Makulatur, wenn niemand dein Angebot kauft.
Lass uns über Risiken sprechen. Aber nicht über die imaginierten Katastrophenszenarien, die dich nachts wachhalten, sondern über die echten Stolpersteine – und vor allem darüber, wie du sie umgehen kannst.
Viele Menschen glauben, dass man für eine Gründung besonders risikofreudig sein muss. Die Vorstellung ist: Wer sich selbstständig macht, stürzt sich ins Ungewisse, trägt große Risiken und muss mit Unsicherheiten leben können. Diese Vorstellung ist grundfalsch.
Die erfolgreichsten Selbstständigen, die ich kenne, sind extrem risikoscheu. Sie gehen nicht deshalb große Risiken ein, weil ihnen das Spaß macht, sondern sie versuchen aktiv, Risiken so weit wie möglich zu minimieren. Das ist kein Widerspruch zur Selbstständigkeit – im Gegenteil: Es ist eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg.
Ich selbst bin in meiner Selbstständigkeit sehr risikoscheu. Ich suche nicht die Risiken, sondern versuche sie zu vermeiden. Das Gleiche gilt für die meisten Gründerinnen und Gründer in meinem Umfeld. Wir denken viel nach, bevor wir einen Schritt setzen. Das ist wie beim Backcountry-Snowboarden: Du überprüfst die Witterungsbedingungen, du analysierst das Schneefeld, du suchst nach Gefahrenquellen. Erst dann fährst du los – mit einem kalkulierten Restrisiko, aber nicht blind.
Unsicherheit ist etwas anderes als Risiko. Unsicherheit bedeutet: Wir können nicht in die Zukunft schauen. Das bekommen wir nicht weg. Aber das bedeutet nicht, dass wir deshalb große Risiken eingehen müssen.
Was wir wirklich meinen, wenn wir von “Risiko” sprechen
Das zentrale Risiko bei der Gründung ist simpel formuliert: Du hast eine Geschäftsidee, du arbeitest daran, du investierst Zeit und vielleicht auch Geld – und dann sagen deine potenziellen Kunden zwar “Cool, coole Sache!”, aber sie kaufen nichts.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Gründungen scheitern. Nicht an mangelnder Qualität, nicht an fehlender Expertise, sondern daran, dass die Übersetzung zwischen der eigenen Begeisterung und dem Kundenbedürfnis nicht gelingt.
Es gibt natürlich auch andere Herausforderungen im Business – keine Frage. Aber dieser Punkt ist der zentrale. Wenn du Kunden hast, die bereit sind, für deine Leistung zu zahlen, dann hast du ein Business. Wenn nicht, dann hast du ein teures Hobby.
Wie man Risiken wirklich minimiert
Denke vom Kunden her
In der Startphase – und ich weiß, dass das in der Umsetzung oft nicht leicht ist – geraten viele in eine gefährliche Dynamik: Man ist begeistert von der eigenen Idee, man plant, man entwickelt Produkte, man liebt die neu gewonnene Freiheit. Aber man hat nicht unbedingt die Kunden im Blick.
Der richtige Zugang wäre: Ja, ich entwickle hier etwas, das mich total inspiriert – UND gleichzeitig schaue ich mit einem Auge auf meine Kunden. Nicht nur “Was taugt mir?”, sondern auch “Was brauchen die wirklich? Wie kann ich etwas schaffen, das bei meinen Kunden ankommt? Wie können die sagen: Ja, genau das will ich haben?”
Wenn du in dieser Startphase beide Perspektiven – deine eigene und die der Kunden – in ein harmonisches Gleichgewicht bringst, dann hast du das Risiko, später ohne Kunden dazustehen, bereits erheblich minimiert.
Starte ohne große Investitionen
Die wirklich riskanten Geschäftsmodelle sind jene, bei denen du vorab große Investitionen tätigen musst, ohne auch nur einen einzigen Kundenkontakt gehabt zu haben. Hunderttausende Euro in ein Geschäftslokal, in Renovierung, in Maschinen stecken – und dann darauf vertrauen, dass schon irgendwie eine entsprechende Auslastung zustande kommt. Davon würde ich grundsätzlich abraten.
Es gibt Menschen, die kein Problem damit haben, sich ein Geschäftslokal zu mieten, es hübsch herzurichten, diverse Maschinen zu kaufen und dann darauf zu vertrauen, dass alles gut geht. Ich persönlich wäre nicht der Typ dafür.
In meinen Beratungen gehe ich mit Gründerinnen und Gründern regelmäßig ins Gespräch, wenn sie sagen: “Ich miete mir jetzt ein Büro” oder “Ich kaufe mir das und das Equipment.” Dann versuche ich zu challengen: Braucht es das wirklich? Gibt es nicht vielleicht einen Softstart? Einfach um diese größeren finanziellen Risiken zu minimieren.
Die größten Risiken für kleine Unternehmen und Solopreneure sind finanzielle Risiken: dass uns das Geld ausgeht. Dieses Risiko können wir auf zwei Arten verringern: Erstens, wir schaffen gar nicht erst Dinge an, die wir nicht brauchen. Zweitens, wir sorgen dafür, dass laufend Menschen uns neues Geld zufließen lassen – also Kunden.
Ich weiß nicht mehr genau, wo ich das gelesen oder gehört habe, aber der Satz hat sich eingebrannt: Ich brauche kein Geld, um mein Business zu starten. Was ich wirklich brauche, sind Kunden.
Wenn du einen, zwei, drei, vier, fünf Kunden hast, dann hast du eine Möglichkeit, Geld zu verdienen und dir peu à peu dein Business aufzubauen. Wenn du viel Geld zur Verfügung hast und dann ein Business baust, ist nicht automatisch klar, dass du auch entsprechende Kunden kriegst.
Hole dir Unterstützung und Begleitung
Aus dem Sport gesprochen: Ein Physiotherapeut hilft mir, mich auf Bewegungsabläufe in Extremsituationen vorzubereiten. Ein Trainer gibt mir Übungen mit, die mich muskulär aufbauen, damit ich Extrembelastungen standhalten kann und mein Verletzungsrisiko minimiert wird.
Diese Analogie gilt auch fürs Gründen. Wenn du etwas Größeres vorhast oder vor einer größeren Veränderung stehst, dann gibt es immer Personen, die dich begleiten können, die Erfahrungswerte mitbringen, die vielleicht diesen Weg schon selbst gegangen sind. Bei ihnen kannst du dir deine “Nuggets” herausholen und entsprechende Risiken minimieren.
Die Anatomie eines riskanten Geschäftsmodells
In einem konkreten Fall aus meiner Beratungspraxis haben wir gemeinsam ein Geschäftsmodell analysiert – es ging um eine ziemlich coole Lösung für den Indoor-Pflanzenanbau in Wohnungen. Die Idee war gut durchdacht, die beiden Gründerinnen hatten viel überlegt. Aber wo lag das eigentliche Risiko?
Wir haben uns angeschaut: Wo in diesem Geschäftsmodell könnte es passieren, dass viel Zeit investiert werden muss? Welche Dinge laufen von selber? Wo brauchen die beiden Hilfe? Was können sie selber erledigen?
Das Ergebnis war erhellend: Im Prinzip lief alles sauber. Alles war gut durchdacht – WENN es gelingt, zu kommunizieren, wozu das gut sein soll. Wozu brauche ich das? Wieder diese Verbindung zu den Kunden.
Der häufigste Knackpunkt ist die Übersetzung: Wie schlage ich die Brücke zu den Kunden? Wie schaffe ich die Übersetzung von dem, was ich mir ausgedacht habe, in die Welt des Kunden?
In diesem Fall war die Erkenntnis: Eigentlich ist alles auf Schiene. Wir müssen nur gut aufpassen, dass wir diese Übersetzung gut schaffen. Wenn wir diese Übersetzung gut schaffen, dann gibt es aus heutiger Sicht nichts, wovor wir uns groß fürchten müssen.
Und wenn ich das weiß – dass es an dieser einen Stelle liegt – dann ist das manageable. Das sind zwei, drei Punkte, auf die ich aufpassen kann. Ich kann mir Hilfe holen, ich kann Lösungen überlegen.
Was aber auch passieren kann: Wir schauen uns das Geschäftsmodell an und sagen: Naja, da hapert es an dieser Stelle. Und wenn man ehrlich ist, auch an dieser Stelle. Und da eigentlich auch. Und da auch. Und da auch. Wenn man sich das Ganze anschaut, muss man sagen: Das kann so nicht funktionieren.
Da würde ich ein extremes Risiko eingehen, wenn ich sage: “Ist mir wurscht, ich mache es trotzdem.” Aber wenn ich in der Analyse schon erkenne, dass da so viele Ungereimtheiten sind, so viel Input notwendig ist, so viele Berge zu überwinden sind, dass dieser Aufwand eigentlich gar nicht zu bewältigen ist – dann würde ich mich in ein Risiko reinstürzen, das aus meiner Sicht nicht verantwortbar ist.
Das stinklangweilige Business
Ich möchte nicht, dass du ein riskantes Business startest. Ich möchte, dass du ein stinklangweiliges Business startest, das dir laufend Kunden bringt.
Das heißt: Wir wollen keine Experimente starten, sondern wir wollen etwas aufbauen, was aller Voraussicht nach relativ gut läuft. Ein Business ohne große Risiken. Ein Business, bei dem die Grundlagen stimmen und das nachhaltig funktioniert.
Das klingt vielleicht nicht sexy. Es klingt nicht nach der großen Startup-Story mit Risikokapital und Exit-Strategien. Aber für die allermeisten Solopreneure und kleinen Unternehmen ist genau das der richtige Weg: ein solides, gut durchdachtes Business, das auf echten Kundenbedürfnissen aufbaut.
Die Rolle von Förderungen
Förderungen können helfen, finanzielle Risiken zu verteilen oder zu minimieren. Wir haben in anderen Folgen ausführlich darüber gesprochen. Aber Förderungen sind kein Ersatz für ein tragfähiges Geschäftsmodell. Sie können dich unterstützen, aber sie lösen nicht das grundlegende Problem, wenn deine Geschäftsidee am Markt nicht funktioniert.
Risikoscheu ist eine Tugend
Wenn du dich als risikoscheu beschreibst, dann bist du zum Gründen sehr gut geeignet. Das ist kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Du wirst genauer hinschauen, du wirst besser planen, du wirst kritischer hinterfragen. All das erhöht deine Erfolgschancen.
Das bedeutet nicht, dass du nie ins Handeln kommst. Es bedeutet, dass du mit Bedacht handelst. Irgendwann braucht es den Mut, loszugehen – diese gewisse Restüberwindung und das Vertrauen in dich selbst, dass du die Fähigkeiten mitbringst. Aber das ist ein kalkuliertes Risiko, keine Hauruck-Aktion.
Ein Wort zum Schluss
Risiko zu vermeiden ist beim Gründen keine Schwäche, sondern eine Stärke. Die besten Geschäftsmodelle sind nicht jene mit dem größten Risiko, sondern jene mit dem geringsten – weil sie von Anfang an auf einem soliden Fundament stehen.
Das zentrale Risiko – keine zahlenden Kunden zu finden – lässt sich durch einen engen Kundenkontakt von Beginn an minimieren. Alles andere ist Werkzeug, das dir dabei hilft: eine gute Planung, professionelle Beratung, kluge Investitionsentscheidungen.
Wenn du das Gefühl hast, dass du bei der Beurteilung deines Risikos Unterstützung brauchst – genau dafür sind wir da. Wir helfen dir dabei, die Stolpersteine zu identifizieren, bevor du über sie fällst.
Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup analysieren wir gemeinsam dein Geschäftsmodell und schauen uns genau an, wo die kritischen Punkte liegen und wie du Risiken minimieren kannst. Unverbindlich, ohne Verkaufs-Schmähs – aber mit professionellem Feedback und wertvollen Impulsen, die dir wirklich weiterhelfen. Versprochen.
