Der Podcast
Über die Kunst, ein Business zu finden, das wirklich zu dir passt
“Wenn ich schon selbstständig bin, dann muss es etwas sein, wo ich wirklich mit Leib und Seele, mit Herz und Hirn dranhänge.” Dieser Satz – oder Variationen davon – taucht in Gründungsgesprächen immer wieder auf. Manche Menschen treibt diese Frage um: Wie finde ich in der Selbstständigkeit genau mein Ding? Und die noch drängendere Frage dahinter: Was mache ich, wenn ich das Gefühl habe, dass das, was mir vorschwebt, noch nicht so richtig meines ist?
Es ist eine legitime, wichtige Frage. Nicht jeder Gründer stellt sie sich – für viele reicht es, ein funktionierendes Business aufzubauen, das Geld verdient und sich gut anfühlt. Aber für einen bestimmten Typus von Gründern ist diese Frage existenziell. Sie wollen nicht irgendwas machen, sondern das Richtige. Ihr Ding. Lass uns gemeinsam erkunden, wie dieser Prozess des Findens eigentlich funktioniert – und welche Überraschungen dabei auf dich warten.
Die unbequeme Wahrheit: Es dauert
Die erste und vielleicht wichtigste Erkenntnis lautet: Dein Ding zu finden ist nicht die Aufgabe eines Samstagnachmittags. Du kannst dich nicht hinsetzen, eine Viertelstunde nachdenken und dann plötzlich wissen, was es ist. So funktioniert das nicht.
Nimm dir Zeit – das ist die kurze Antwort auf die Frage. Nimm dir Zeit im Sinne von tiefer eintauchen, tiefer gehen. Das kann mit Ausprobieren verbunden sein, wo du sagst: Ich teste mal das eine oder andere und schaue, dass ich meinem Ding, meinem Thema näher komme. Das kann aber auch bedeuten, darüber zu sprechen – und zwar mit den richtigen Personen. Mit Menschen, die schon selbstständig sind, die dieses Sich-Selbstständig-Machen intus haben und die dich dabei begleiten können, tiefer vorzudringen zu dem, was es denn sein könnte.
Dieses eine Ding zu finden ist eine Mischung aus ganz vielen Dingen: Beobachtung (dich selbst und andere), Ausprobieren, Nachdenken, Ideen gegeneinander abwiegen. Es ist ein Prozess – wie wenn du aus einem Stein eine Skulptur herausmeißelst. Mit der Zeit bekommst du ein immer klareres Bild davon, was es eigentlich ist, das dich in der Selbstständigkeit besonders erfüllt.
Die Entwicklungsreise, die niemand erzählt
Es schaut für viele so aus: Ich gründe, und dann bin ich erfolgreich. Linear. Klar. Eindeutig. Aber das stimmt nicht. Wenn du dir irgendeine Biografie von großen Unternehmerinnen oder Unternehmern ansiehst und durchliest, wie diese Reise in der Rückschau ausgesehen hat – von welchem Ereignis sie zum nächsten Ereignis gekommen sind – dann erkennst du: Das sind zwei völlig verschiedene Welten.
Die Geschichte von außen betrachtet und die tatsächliche Reise haben wenig miteinander zu tun. Der Durchbruch, die Aufmerksamkeit, die Wahrnehmung als “erfolgreicher Unternehmer” – das kommt irgendwann. Aber der Weg dorthin ist verschlungen, voller Umwege und Veränderungen.
Wahrscheinlich braucht es diese Naivität am Anfang, dass man überhaupt die ersten Schritte setzt. Vieles, was in der Garage oder am Reißbrett begonnen hat, ist nach einer gewissen Zeit gar nicht mehr genau das, was man heute macht.
Im Startup-Bereich nennt man das einen Pivot – eine Veränderung der Geschäftsidee. Aber das ist auch bei Solopreneuren ganz normal. Geschäftsideen verändern sich mit der Zeit ganz natürlich, ganz organisch. Entweder weil wir es selber so wollen oder weil sich Umstände ändern, weil wir uns selber verändern oder weil sich unsere Kenntnisse und Möglichkeiten verändern.
Es ist nicht so, dass du irgendwann ankommst und sagst: Okay, jetzt nach sechs Monaten oder sechs Jahren bin ich endlich am Ziel, jetzt habe ich es erkannt, jetzt bin ich bei mir und bei meinem Ding angekommen. Es ist vielmehr ein ständiger Prozess. Der Weg ist tatsächlich ein wesentlicher Teil des Ziels.
Das organische Prinzip: Wie die Natur
Das ist die Natur der Dinge: Sie wachsen, sie entwickeln sich. Dinge sterben ab, neue Dinge wachsen heran. Alles ist in Veränderung. Es lebt. Stillstand existiert nicht wirklich. Und genauso ist es bei der beruflichen Karriere wie in der Selbstständigkeit.
Ein persönliches Beispiel macht das deutlich: Die Selbstständigkeit kann mit der Begleitung eines Projekts starten. Daraus entwickelt sich vielleicht die Erstellung einer Hilfedatei für ein ERP-System (weil die Hilfe veraltet war oder nicht existierte). Und dann entwickelt sich das weiter in Richtung Prozessoptimierung, Organisationsentwicklung. Und plötzlich sitzt man in einem Podcast und teilt als Gründungsberater Erfahrungswerte – etwas, das am Anfang überhaupt nicht feststand oder auch nur vorstellbar war.
Dinge ergeben sich. Viele Sachen können wir uns gar nicht vorstellen zu machen, bis zu dem Moment, wo diese Gelegenheit sich auftut. Diese Tür geht auf, und wir können uns entscheiden, ob wir durchgehen wollen oder nicht. Aber wir können es nicht im Vorhinein schon planen.
Die Grenzen des Alleingangs
Viele Dinge – gerade als Soloselbstständiger – kannst du alleine nicht ergründen. Du kannst dich hinsetzen, Bücher lesen, dir alle möglichen Dinge aufschreiben. Und trotzdem drehst du dich im Kreis. Warum? Weil du es gedanklich, geistig nicht alleine klären kannst. Du hast kein Gegenüber.
Dieses Gegenüber braucht es für Reflexion, für Fragen, für Tiefe, für Dialog. Wenn du an geschickte Personen gerätst – vielleicht einen Mentor, ein Business Coaching, den Austausch mit einem erfahrenen Unternehmer oder einer erfahrenen Unternehmerin – dann hast du die Chance, Zwiebelschichten abzutragen, näher zum Kern zu kommen.
Was ist denn meins? Was ist denn mein Ding? Und wie kann ich dieses dann auch entsprechend leben oder zum Ausdruck bringen in meiner Selbstständigkeit oder in meinem beruflichen Tun?
Oft ist es für andere leichter zu erkennen, dieses “Eigene” von dir. Sie sehen viel klarer, was das Besondere an einem Menschen ist. Sie können viel besser in die richtige Richtung weisen. Du selbst weißt einfach wahnsinnig viel über dich – und diese Dinge, die du über dich weißt, sind oft verwirrend. Das passt nicht zusammen, da gibt es keine klare Linie.
Oder du hast ein Gefühl und kannst es nicht ausdrücken. Oft kannst du es nicht in Worte fassen. Oft sind Dinge widersprüchlich. Oft gibt es keine Eindeutigkeiten und keine Klarheiten.
Diese Klarheiten entstehen nicht in dir drinnen alleine, sondern im Dialog mit anderen Menschen. Dadurch wird dir klar, was du überhaupt denkst. Wer du überhaupt bist. Martin Buber sagt: Ich werde im Du zum Wir, also zu mir. Dieses Spiegeln im Anderen ist ganz wichtig, um uns selber besser kennenzulernen. Wir brauchen den Anderen, um Dinge über uns selbst zu erfahren.
Die unbequeme Frage: Gibt es “das eine Ding” überhaupt?
Hier kommt eine möglicherweise provokante Erkenntnis: Vielleicht ist es ganz nützlich, sich von der Idee zu verabschieden, dass es dieses eine Ding gibt.
Woher kommt dieser Gedanke überhaupt, dass wir auf die Welt kommen, um eine einzige Sache zu machen? Und diese eine einzige Sache müssen wir finden, und wenn wir sie gefunden haben, dann sind wir glücklich? Das ist eine bestimmte Denkrichtung, Philosophie, vielleicht Ideologie – aber es ist nicht ganz klar, ob das wirklich hilfreich ist.
Es gibt nicht nur eine Sache, sondern viele Dinge, die wir machen können. Es gibt viele Dinge, die leibend sind. Wir müssen nicht alle gleichzeitig machen, aber es ist nicht so, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, wie wir zu unserem Glück finden. Es gibt sehr, sehr viele.
Wenn wir mit offenen Augen durch die Welt gehen, dann können wir einfach das nächstbeste nehmen, was uns für den Moment glücklich macht. Wo wir das Gefühl haben: Das ist jetzt irgendwie cool, das ist leibend, das probiere ich mal aus, das ist gut genug.
Wir brauchen nicht zu glauben, dass wir etwas versäumen, weil es noch nicht “das eine” ist. Vielleicht gibt es dieses eine gar nicht. Aber wenn es etwas gibt, was jetzt gut genug ist, was leibend genug ist – warum nehmen wir es nicht? Warum sagen wir nicht: Okay, ist jetzt mal leibend, bis ich was anderes Leibendes finde?
Von der Suche zur Entscheidung
Es gibt eine Spannung zwischen zwei Zugängen: Auf der einen Seite steht das tiefe Erkunden, das Ausprobieren, das Gespräche-Führen. Man könnte dazu neigen, ewig auf der Suche zu sein oder immer wieder auf der Suche zu sein.
Auf der anderen Seite steht eine möglicherweise einfachere Herangehensweise: Sich zu entscheiden für das, was jetzt vielleicht greifbar ist oder auf der Hand liegt oder in dem Moment das eine passende Ding ist.
Es gibt genug Gründer, die mit einer Art Bauchladen in Gründungsgespräche kommen: Ich hätte die und die und die und die Idee. Die Frage lautet dann oft: Wo zieht das Herz hin? Was ist vielleicht das, wo du den leichteren Einstieg in den Markt findest, zu zahlenden Kunden kommst (weil die bringen dir ja Umsatz, und dann kann das Business funktionieren)?
Es geht darum, sich zu entscheiden. Das andere ist nicht weg, es ist nicht fort, es ist nicht gestrichen. Aber es braucht eine Entscheidung im Vordergrund: In welche Richtung gehe ich? Welchen Weg möchte ich jetzt einmal einschlagen, um in die Bewegung zu kommen?
Dein Ding, mein Ding – das ist eine Entscheidung. Mein Ding ist das, wofür ich mich jetzt im Moment entscheide. Wenn ich diese Entscheidung getroffen habe, dann ist es mein Ding. So lange, bis ich mich für etwas anderes entscheide. Und dann ist das andere mein Ding.
Der entscheidende Zusatz: Gib deiner Entscheidung eine Chance
Wenn du dich entschieden hast, dann wirf diese Entscheidung nicht bei der nächstbesten Gelegenheit wieder um. Du triffst sie nicht jeden Tag neu. Diesem Ding muss ein bisschen eine Chance gegeben werden zu wachsen.
Dinge entwickeln sich organisch, und diese Dinge müssen auch ein bisschen Freiraum bekommen. Du entscheidest dich – und dann gibst du diesem Ding auch die Chance, tatsächlich in Wirkung zu kommen. Du entscheidest dich nicht jeden Tag neu, sondern machst das mal ein halbes Jahr oder ein Jahr.
Damit diese Sache eine Chance bekommt. Damit diese Gründungsidee, diese Geschäftsidee (oder auch dieses private Projekt) wirklich in die Wirkung kommen kann, braucht es ein bisschen Zeit und Raum. Das musst du dir in aller Fairness dieser Idee gegenüber auch geben.
Ein Pflänzchen braucht auch Zeit, um wachsen zu können. Und Liebe.
Praktische Orientierungspunkte für deine Suche
Wenn du jetzt konkret auf der Suche nach deinem Ding bist, dann helfen dir vielleicht diese Orientierungspunkte:
Nimm dir bewusst Zeit für den Prozess. Es ist keine Sprint-Aufgabe, sondern ein Marathon. Oder besser: ein Spaziergang mit offenem Ausgang. Gib dir selbst die Erlaubnis, nicht nach zwei Wochen eine finale Antwort haben zu müssen.
Suche aktiv den Dialog mit erfahrenen Selbstständigen. Nicht nur mit Freunden und Familie (die meinen es gut, aber fehlt oft die Erfahrung), sondern mit Menschen, die diesen Weg bereits gegangen sind. Die können Dinge in dir erkennen, die du selbst nicht siehst.
Beobachte dich selbst in verschiedenen Situationen. Wann fühlst du dich lebendig? Wann vergisst du die Zeit? Wofür loben dich andere? Was fällt dir leicht, während es andere als schwierig empfinden?
Probiere aus, ohne den Anspruch auf Perfektion. Du musst nicht gleich dein ganzes Leben umkrempeln. Teste kleine Versionen deiner Ideen. Sprich mit potenziellen Kunden. Biete etwas an und schau, wie es sich anfühlt.
Verabschiede dich vom Mythos des “einen Dings”. Es gibt viele Wege zu einem erfüllten Business-Leben. Vielleicht ist das, was jetzt gut genug ist, genau richtig für diese Phase deines Lebens.
Triff eine Entscheidung, auch wenn sie nicht perfekt ist. Und dann gib dieser Entscheidung mindestens sechs Monate bis ein Jahr, um zu wachsen. Organic growth braucht Zeit. Du kannst nicht nach zwei Wochen entscheiden, ob etwas dein Ding ist oder nicht.
Die Freiheit im Prozess
Es gibt etwas zutiefst Befreiendes in der Erkenntnis, dass die Suche nach deinem Ding ein Prozess ist und nicht ein Zustand, den du einmal erreichst und dann für immer beibehältst. Das nimmt den Druck raus. Du musst nicht die perfekte Entscheidung treffen, weil es die perfekte Entscheidung gar nicht gibt.
Du kannst dich für etwas entscheiden, das jetzt gut genug ist. Und wenn sich im Laufe der Zeit herausstellt, dass es nicht mehr passt – weil du dich verändert hast, weil sich die Umstände geändert haben, weil neue Türen aufgegangen sind – dann kannst du eine neue Entscheidung treffen.
Das ist nicht Scheitern. Das ist Evolution. Das ist organisches Wachstum. Das ist Leben.
Ein Wort zum Schluss
Die Suche nach deinem Ding in der Selbstständigkeit ist keine intellektuelle Aufgabe, die du mit genug Nachdenken lösen kannst. Es ist ein gelebter Prozess, der sich über Zeit entfaltet. Es braucht Beobachtung, Ausprobieren, Dialog, Reflexion – und vor allem die Bereitschaft, eine Entscheidung zu treffen und dieser Entscheidung dann auch eine faire Chance zu geben.
Vielleicht gibt es “das eine Ding” gar nicht. Vielleicht gibt es viele leibende Dinge, und deine Aufgabe ist es, dasjenige zu wählen, das jetzt gerade für dich passt. Mit der Freiheit, später neu zu wählen, wenn sich die Situation ändert.
Wie ein Pflänzchen braucht dein Business Zeit und Liebe, um zu wachsen. Gib ihm beides.
Übrigens: Wenn du Lust hast, mit uns über dein Ding in der Selbstständigkeit zu sprechen, dann melde dich für einen kostenlosen Gründungs-Checkup. Wir plaudern gemeinsam über das, was dir vorschwebt, und helfen dir vielleicht, genauer hinzuschauen – und das zu finden, was dich besonders macht. Manchmal braucht es einfach dieses Gegenüber, um klarer zu sehen.
