Walfische

W

🔥 Worum geht’s?

  • Ein Walfisch kann dich ein Jahr lang ernähren – während du sonst hunderte kleine Aufträge jagen musst, reicht manchmal ein einziger großer Partner
  • Walfische gibt es überall in verschiedensten Formen – Stammkunden, Auftragsmittler, Plattformen, Multiplikatoren oder sogar eigene Content-Projekte
  • Gegenentwurf zum “immer auf Kundensuche sein” – statt ständig neue Einzelkunden zu akquirieren, investierst du in wenige, aber wertvolle Beziehungen

Das Konzept stammt von Ernst Sonnleitner, einem österreichischen Unternehmensberater.

🎯 Das Konzept

Stell dir vor, du stehst am Hafen und kannst wählen: Entweder du gehst mit hundert kleinen Angelruten auf Sardinen-Fang, oder du nimmst eine starke Harpune und gehst auf Walfang. Ein einziger Walfisch kann dich monatelang ernähren – während die Sardinen nur für das Abendessen reichen.

Die drei Arten von Walfischen:

  • Klassische Auftragsmittler: Das sind Menschen oder Institutionen mit Zugang zu vielen potenziellen Kunden. Ein Steuerberater, der dich an all seine Mandanten weiterempfiehlt. Ein Architekt, der für jeden Neubau einen Webdesigner braucht. Eine Personalberatung, die regelmäßig Coaches für Führungskräfte-Entwicklung sucht. Diese Multiplikatoren haben bereits das Vertrauen und den Zugang zu deiner Zielgruppe – du musst sie nur “weichreden”, wie Ernst Sonnleitner sagt.
  • Große Einzelkunden: Stammkunden mit regelmäßigem, großem Bedarf. Ein Verlag, der monatlich 20 Artikel braucht. Ein Konzern mit kontinuierlichem Beratungsbedarf. Ein Online-Shop mit laufenden Design-Updates. Hier bist du nicht mehr project-basiert unterwegs, sondern wirst zum strategischen Partner.
  • Eigene Plattformen: Bücher, Podcasts, Newsletter oder Kurse, die selbst zu Walfischen werden. Sie arbeiten für dich, auch wenn du schläfst, und bringen kontinuierlich neue Kunden. Ein erfolgreicher Podcast wird zum Kunden-Magneten, ein Buch positioniert dich als Experte und öffnet Türen.

Die Walfisch-Philosophie“Auftragsmittler suchen und die dann weichreden. Wenn die zusagen, geht die Post ab. Wenn die nein sagen, dann tut sich gar nix.” – Es ist ein Alles-oder-Nichts-Spiel, aber mit enormer Hebelwirkung.

📌 Wie das Konzept in deinem Business nützlich sein kann

📌 Risikomanagement durch Diversifikation: Drei bis vier Walfische machen dich weniger abhängig als ein einziger großer Kunde. Ein Berater arbeitet mit einer Steuerberatung, einer Rechtsanwaltskanzlei und einer Unternehmensberatung zusammen – fällt einer weg, hat er noch zwei andere Säulen. Das ist strategisches Risikomanagement statt dem Hamsterrad der ständigen Einzelkunden-Akquise.

📌 Systematischer Beziehungsaufbau: Walfische entstehen nicht über Nacht. Du baust über Jahre konsequent Beziehungen zu wichtigen Multiplikatoren auf. Ein Fotograf lädt regelmäßig Hochzeitsplaner zum Kaffee ein, zeigt ihnen neue Arbeiten und bleibt präsent – bis er der erste Name ist, wenn sie einen Fotografen brauchen. Beharrlichkeit schlägt sporadische Aktionen.

📌 Impressarios als Walfische: Finde Menschen, die deine Zielgruppe bereits versammelt haben. Wer hostet die Facebook-Gruppe, den Must-Read-Newsletter oder den Branchen-Podcast? Mit diesen Influencern zusammenzuarbeiten ist effizienter, als alles selbst von null aufzubauen. Ein Business-Coach kooperiert mit dem Betreiber des wichtigsten Gründer-Podcasts der Stadt.

📌 Content als Walfisch-Strategie: Deine eigenen Inhalte werden zu Auftragsmittlern. Ein Buch positioniert dich als Experte und bringt jahrelang Anfragen. Ein Newsletter mit 1.000 echten Lesern ist wertvoller als 10.000 Social-Media-Follower. Diese Assets arbeiten 24/7 für dich und skalieren ohne zusätzlichen Zeitaufwand pro Kunde.

📌 Die 80/20-Regel bei Kunden: Wie bei Amanda Palmers Kickstarter-Kampagne: 10% der Unterstützer (die “Walfische”) trugen überproportional zur Finanzierung bei. Analysiere deine Kundenbasis: Welche 20% bringen 80% des Umsatzes? Diese zu pflegen und ähnliche zu finden ist erfolgsversprechender, als alle gleich zu behandeln.

🔎 Strategische Fragen zum Weiterdenken

🔎 Walfische in deinem Umfeld identifizieren: “Jeder von uns hat seine Walfische in seiner Umgebung. Es gibt sie in den verschiedensten Gestalten. Wir müssen sie nur erkennen. Schauen Sie sich um!” – Wer in deinem Netzwerk hat bereits Zugang zu vielen Menschen, die deine Dienste brauchen könnten? Welche Beziehungen könntest du systematischer aufbauen?

🔎 Reife vor dem Pitch: Seth Godin warnt: “Geh zum Walfisch nicht mit unausgegorenen Ideen. Sondern zeig ihm etwas, das schon gut funktioniert.” Hast du bereits Erfolge vorzuweisen, bevor du potenzielle Walfische ansprichst? Menschen investieren lieber in bewährte Lösungen als in Experimente.

🔎 Langfristige vs. kurzfristige Strategie: Walfisch-Jagd braucht Geduld und Systematik. Bist du bereit, in Beziehungen zu investieren, die sich erst in Monaten oder Jahren auszahlen? Oder verfolgst du noch das “next shiny object” und bist “everywhere, aber nie lang und nie beständig und nie mit System”?

→ Weiterführende Links

  • 🔗 Seth Godin: The management of whales (Blog-Post)
  • 🎙 Seth Godin Akimbo Podcast: “Micropayments Part 2” über Walfische in der Praxis (Spotify)
  • 📙 Amanda Palmer: The Art of Asking – Wie Walfische Crowdfunding-Kampagnen ermöglichen

Verwandte Konzepte

About the author

Günter Schmatzberger

Recent Comments

Es sind keine Kommentare vorhanden.