Wie löse ich eine Selbständigkeit wieder auf?

Der Podcast

Der entspannte Exit-Guide

Die Frage klingt dramatischer, als sie ist: Wie beende ich meine Selbstständigkeit? Dahinter steht oft die Sorge, dass ein Ausstieg wie ein Scheitern wirken könnte oder dass administrative Hürden unüberwindbar sind. Die Realität sieht anders aus – und ist deutlich entspannter als die meisten denken.

Verschiedene Wege aus der Selbstständigkeit

Eine Selbstständigkeit zu beenden ist kein einheitlicher Prozess. Es gibt verschiedene Szenarien, die ganz unterschiedliche Schritte erfordern. Schauen wir uns die wichtigsten Varianten an.

Der unspektakuläre Schwenk: Geschäftsfeld wechseln

Die erste und vielleicht entspannteste Variante ist der Wechsel innerhalb der Selbstständigkeit. Du bleibst selbstständig, änderst aber dein Geschäftsfeld. Wenn dieser Schwenk innerhalb deines bestehenden Gewerbescheins möglich ist, gibt es praktisch nichts zu tun.

Ein Unternehmensberater, der sich bisher auf Gründungsberatung spezialisiert hat und nun Großkonzerne beraten möchte, bewegt sich weiterhin im Rahmen seiner Unternehmensberatungslizenz. Niemand muss informiert werden, keine Behörde interessiert sich dafür. Du bist und bleibst selbstständig – nur mit einem anderen Fokus.

Etwas komplexer wird es, wenn der Schwenk einen neuen Gewerbeschein erfordert. Wenn du als Unternehmensberater plötzlich als Masseur arbeiten möchtest, brauchst du eine zusätzliche Gewerbeberechtigung. Das Finanzamt wird sich dann dafür interessieren, wie viel Umsatz du in welchem Bereich machst. Aber auch das ist keine große Sache – dein Steuerberater oder Gründungsberater kann hier problemlos unterstützen.

Die Ruhendstellung: Pause auf Zeit

Deutlich relevanter wird es bei der Frage nach einer echten Pause oder einem Ausstieg. Hier kommt die Möglichkeit ins Spiel, das Gewerbe ruhend zu melden. Diese Option ist ideal für alle, die eine Auszeit brauchen, aber die Tür zur Selbstständigkeit nicht endgültig schließen wollen.

Was bedeutet Ruhendstellung konkret?

Wenn du deinen Gewerbeschein ruhend meldest, setzt du deine Selbstständigkeit auf Pause. Das geht über die Wirtschaftskammer – es gibt entsprechende Formulare, die du ausfüllen musst. Die Meldung erfolgt immer zum Monatsletzten. Wenn du Mitte August beschließt, eine Pause einzulegen, meldest du das Gewerbe zum 31. August ruhend. Ab 1. September bist du dann offiziell nicht mehr aktiv selbstständig.

Die WKO leitet diese Information automatisch an die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) weiter. Du erhältst ein Schreiben – digital oder per Post – das die Ruhendstellung bestätigt. Ab diesem Zeitpunkt zahlst du keine regulären SVS-Beiträge mehr, lediglich die Unfallversicherung bleibt aufrecht. Das sind rund 15 Euro pro Monat (Stand: 2025).

Was darfst du während der Ruhenstellung?

Hier wird es wichtig: Ohne aktiven Gewerbeschein darfst du nicht gewerblich tätig sein. Du hast keine rechtliche Grundlage für selbstständige Arbeit. Das bedeutet, du kannst in dieser Zeit keine Rechnungen schreiben oder Dienstleistungen im Rahmen deiner Selbstständigkeit anbieten.

Aber: Du kannst einem Dienstverhältnis nachgehen. Du kannst dich beim AMS arbeitslos melden, sofern du die Voraussetzungen erfüllst. Du kannst die Zeit nutzen für Weiterbildung, für Familie, für einen längeren Auslandsaufenthalt oder schlicht zum Durchatmen.

Die Reaktivierung: Der Neustart

Solltest du zu einem späteren Zeitpunkt wieder in die Selbstständigkeit zurückkehren wollen, ist das problemlos möglich. Du musst lediglich deinen Gewerbeschein wieder aktivieren – ein relativ unkomplizierter administrativer Akt. Danach kannst du dort weitermachen, wo du aufgehört hast.

Diese Option haben schon viele Gründer genutzt: Ein spannendes Jobangebot taucht auf, vielleicht sogar im Ausland. Das Gewerbe wird ruhend gemeldet, die berufliche Gelegenheit genutzt. Nach Ende dieser befristeten Anstellung kehren sie zur Selbstständigkeit zurück. Alles ganz entspannt, ohne Drama.

Die endgültige Abmeldung: Wenn du wirklich aussteigen willst

Wenn du zu dem Schluss kommst, dass du die Selbstständigkeit tatsächlich beenden möchtest, kannst du deinen Gewerbeschein komplett abmelden. Dieser Schritt ist final – du legst die Selbstständigkeit still.

Der administrative Ablauf

Die Abmeldung läuft ebenfalls über die Wirtschaftskammer. Du füllst entsprechende Formulare aus, die WKO leitet alles an die zuständigen Stellen weiter. Das Finanzamt wird informiert, die SVS ebenfalls. Die SVS-Beiträge enden mit der Abmeldung.

Ein wichtiger Punkt, den viele übersehen: Die Krankenversicherung. Wenn du bisher über die SVS krankenversichert warst, endet dieser Schutz mit der Abmeldung deiner Selbstständigkeit. Du musst für eine nahtlose Anschlussversicherung sorgen – entweder über ein Dienstverhältnis, über eine Angehörigenversicherung oder über eine freiwillige Selbstversicherung bei der Gebietskrankenkasse.

Idealerweise erledigst du offene Arzttermine und Behandlungen noch während deiner SVS-Mitgliedschaft. Ein lückenloser Übergang in der Krankenversicherung ist entscheidend, sonst kann es unangenehm werden.

Die steuerliche Dimension

Ein Detail am Rande: Wenn du einmal als Selbstständiger beim Finanzamt registriert warst, machst du künftig immer eine Einkommensteuererklärung statt der vereinfachten Arbeitnehmerveranlagung. Wenn du das ändern möchtest, musst du das selbst beim Finanzamt melden bzw. via FinanzOnline umstellen (“Erklärungswechsel”).

Die emotionale Seite: Scheitern gibt es nicht

Vielleicht der wichtigste Punkt in diesem ganzen Prozess: Nimm den Druck raus. Die Abmeldung einer Selbstständigkeit ist kein Drama. Niemand bei der Wirtschaftskammer wird Alarm schlagen, weil du dein Gewerbe abmeldest. Jeden Tag werden hunderte Gewerbescheine angemeldet und genauso viele wieder abgemeldet. Das ist völlig normal.

Die Entscheidung, aus der Selbstständigkeit auszusteigen, kann viele Gründe haben. Vielleicht hat sich deine Lebenssituation geändert. Vielleicht hast du festgestellt, dass ein Angestelltenverhältnis besser zu dir passt. Vielleicht war das Business nicht so erfolgreich, wie du es dir gewünscht hättest. All das ist vollkommen legitim.

Was bleibt: Unvergleichbare Erfahrung

Was dir niemand nehmen kann, ist die Erfahrung. Selbstständig zu sein verändert dich fundamental. Du entwickelst ein unternehmerisches Mindset, das dich in jeder späteren Anstellung begleiten wird. Du wirst Arbeitsbeziehungen, Projekte und Geschäftsmodelle mit anderen Augen sehen. Du wirst entspannter sein, weil du die andere Seite kennst.

Diese unternehmerische Brille, die du dir während deiner Selbstständigkeit aufgesetzt hast, nimmst du nicht mehr ab. Sie eröffnet dir neue Perspektiven und Chancen – auch und gerade in Anstellungsverhältnissen. Das ist ein echter Zugewinn, unabhängig davon, wie “erfolgreich” deine Selbstständigkeit nach außen hin wirkte.

Die Strategie: Soft statt hart

Ein kluger Ansatz ist, die Auflösung der Selbstständigkeit schrittweise anzugehen. Nicht sofort alle Seile kappen, sondern zunächst ruhend melden. Beobachten, wie sich die Dinge entwickeln. Wie fühlt sich das Leben ohne Selbstständigkeit an? Fehlt dir etwas? Oder bist du erleichtert?

Diese Flexibilität ist wertvoll. Wenn du nach einiger Zeit feststellst, dass du die Selbstständigkeit vermisst, kannst du zurückkehren. Der Gewerbeschein lässt sich reaktivieren. Du bist nicht auf ewig festgelegt.

Erst wenn du wirklich sicher bist, dass du nicht zurückkehren möchtest, machst du den finalen Schritt der kompletten Abmeldung. Aber selbst dann: Eine Neugründung ist jederzeit möglich, solltest du es dir anders überlegen. Die Behördenwege sind überschaubar. Ein neuer Gewerbeschein ist kein Hexenwerk.

Der AMS-Aspekt: Sicherheitsnetz reaktivieren

Ein praktischer Punkt für alle, die länger als fünf Jahre in einem Dienstverhältnis gearbeitet haben, bevor sie sich selbstständig gemacht haben: Ihr habt grundsätzlich Anspruch auf Arbeitslosengeld, solltet ihr nach der Selbstständigkeit zunächst keinen Job finden.

Während der Selbstständigkeit verliert man die Anspruchsvoraussetzungen fürs AMS. Aber mit der Abmeldung der Selbstständigkeit kannst du dich wieder arbeitslos melden. Das soziale Sicherheitsnetz ist also vorhanden – ein weiterer Grund, entspannt an die Sache heranzugehen.

Die kulturelle Perspektive: Fehlerkultur entwickeln

In Österreich haben wir traditionell eine andere Kultur als etwa in den USA, wo unternehmerisches Scheitern fast als Auszeichnung gilt. Dort ist ein “gescheitertes” Startup im Lebenslauf oft ein Pluspunkt – es zeigt Mut, Erfahrung und Lernbereitschaft.

Wir müssen diese amerikanische Haltung nicht eins zu eins übernehmen. Aber wir können uns eine Scheibe davon abschneiden: Die Erfahrung der Selbstständigkeit hat einen Wert, unabhängig vom äußeren Erfolg. Jeder Mensch sollte sich mindestens einmal im Leben selbstständig gemacht haben. Es ist eine unvergleichbare Persönlichkeitsentwicklung.

Und was andere über dein Ausscheiden aus der Selbstständigkeit denken? Das ist, mit Verlaub, komplett wurscht.

Timing und Taktik: Die richtigen Fragen stellen

Wenn du über das Ende deiner Selbstständigkeit nachdenkst, stelle dir folgende Fragen:

  • Ist das wirklich final oder brauche ich nur eine Pause?
  • Habe ich einen konkreten nächsten Schritt (Job, Ausbildung, Pension)?
  • Wie steht es um meine Krankenversicherung?
  • Gibt es offene Verpflichtungen, die ich noch erfüllen muss?
  • Wann bietet sich ein sauberer Übergang an?

Die Antworten auf diese Fragen bestimmen, ob du zunächst ruhend melden solltest oder direkt abmeldest. Es gibt kein Patentrezept – nur die für dich passende Lösung.

Ein Wort zum Schluss

Die Auflösung einer Selbstständigkeit ist administrativ überschaubar und emotional weniger dramatisch, als die meisten befürchten. Die Behördenwege sind klar, die Optionen sind flexibel. Du hast die Wahl zwischen Pause und endgültigem Ausstieg. Und selbst nach einem Ausstieg steht dir der Weg zurück jederzeit offen.

Das Wichtigste: Nimm den Druck raus. Es gibt hier kein Versagen, kein Scheitern. Es gibt nur Lebenserfahrung, die dich bereichert – unabhängig davon, wie lange deine Selbstständigkeit gedauert hat oder wie sie von außen bewertet wird.

Die unternehmerische Erfahrung, die du gesammelt hast, wird dich durch dein weiteres Berufsleben begleiten. Sie macht dich wertvoller auf dem Arbeitsmarkt, souveräner in Verhandlungen und entspannter im Umgang mit Unsicherheit. Das ist ein Geschenk, das dir niemand nehmen kann.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup besprechen wir nicht nur den Einstieg in die Selbstständigkeit, sondern auch den Ausstieg. Wenn du vor dieser Entscheidung stehst und dir unsicher bist, wie du am besten vorgehst – lass uns darüber sprechen. Manchmal hilft es, die Optionen einmal laut auszusprechen und gemeinsam durchzudenken. Ohne Drama, ohne Druck – einfach nur eine ehrliche Bestandsaufnahme.

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