Der Podcast
So entwickelst du einen klaren Plan für dein erstes Gründungsjahr
“Am Anfang ist sehr viel Chaos vielleicht im Kopf” – diesen Satz höre ich als Gründungsberater quasi täglich. Eine Gründerin hat mir kürzlich eine Frage gestellt, die vielleicht auch dich beschäftigt: Wie entwickle ich einen klaren Plan für mein erstes Jahr? Die ehrliche Antwort: Es ist komplex, aber mit der richtigen Herangehensweise durchaus machbar. Lass uns gemeinsam Ordnung ins Kuddelmuddel bringen!
Die unterschätzte Macht der Klarheit
Klarheit macht in jeder Phase des Business den entscheidenden Unterschied – aber in der Startphase ist sie Gold wert. Wenn ich klar bin in dem, was ich will und wie es passieren soll, dann bin ich einfach schneller. Ich tue mir leichter mit weniger Kraftaufwand und gehe gezielt in eine bestimmte Richtung.
Ohne diese Klarheit? Da wird’s unsicher. Dann bin ich am Rudern dabei und alles bewegt sich irgendwie willkürlicher. Das ist wie beim Lernen einer neuen Sportart: Natürlich kann ich mich hinstellen und versuchen, den Schläger irgendwie zu halten. Aber die Gefahr, dass ich mich verreiße, dass ich irgendwas kaputt mache oder vielleicht sogar irgendwen anderen treffe, ist groß.
Die Prokrastinations-Falle: Wenn die Website wichtiger wird als das Geschäft
Ein klassisches Phänomen, das ich in meinen Beratungen immer wieder erlebe: Gründer stürzen sich voll in die Website-Gestaltung. Sie bauen und feilen, gestalten und optimieren – und vergessen dabei das Wesentliche. Gut, passt. Auch ein Weg. Aber die Website allein ist ja noch kein Marketing!
Was wirklich zählt: Dein konkretes Angebot, deine Dienstleistung oder dein Produkt. Wie kriegst du das zu deinen Kunden, die dann auch dafür bezahlen? Je nach Geschäftsidee kann die Website sogar die falsche Richtung sein. Die Zeit wandelt sich ständig – vielleicht brauchst du gar keine mehr.
Die Überforderung ist real – und das ist okay
Lass mich das ganz klar sagen: Eine Gründung ist überfordernd. Richtig. Das ist schwierig. Sonst gäbe es uns Gründungsberater ja nicht! Es ist ein hochkomplexes Projekt mit ganz, ganz vielen Dingen, die du beachten musst:
- Du hast es noch nie gemacht
- Du hast es in der Schule nicht gelernt
- Du sollst Projektmanagement beherrschen
- Du sollst unternehmerisch denken
- Du sollst dich um Finanzen kümmern
- Du sollst dich um Kunden kümmern
- Du sollst dich mit Finanzamt und Sozialversicherung auskennen
- Du sollst wissen, was ein Gewerbe ist
- Du sollst dich persönlich und fachlich weiterentwickeln
Kein Wunder, dass da der Kopf raucht!
Das Geschäftsmodell als Ordnungsprinzip
Wie schaffen wir nun Klarheit? Ein bewährtes Tool ist das Geschäftsmodell. Stell dir das vor wie ein Dreieck mit drei Eckpunkten und einem Punkt in der Mitte. Damit können wir durchgehen und sagen: Ein Eckpunkt sind die Kunden, ein Eckpunkt ist das Angebot. Was haben wir da schon? Was werden wir davon im ersten Jahr umsetzen?
Diese Methode hilft, die verschiedenen Puzzleteile zu sortieren. Wir können sie anschauen und sagen: Das gehört hier hin, das gehört dort hin. Es gibt Modelle, nach denen wir das machen können, und plötzlich entsteht Struktur im Chaos.
Der Finanzplan: Deine wirtschaftliche Landkarte
Ein anderer wichtiger Baustein für deinen klaren Plan ist die Planumsatzkalkulation. Ganz grob formuliert – und für jemanden, der vielleicht schon mal ein Haushaltsbuch gemacht hat, ist das nicht fremd – geht es darum:
Schritt 1: Kosten ermitteln Was brauchst du als Person zum Leben? Egal ob du in einer Familie hängst oder wirklich solo bist – Miete, Essen, Leben, alles aufstellen.
Schritt 2: Einnahmequellen analysieren Welche Einnahmequellen hast du im Startjahr? Das kann knifflig sein, weil vielleicht gerade etwas vom AMS kommt oder du noch in einem Dienstverhältnis bist. Diese Dinge würden ja dann wegfallen.
Schritt 3: Investitionen planen Was brauchst du, um starten zu können? Achtung an der Stelle: Es gibt einen Unterschied zwischen einer Investition und einem geringwertigen Wirtschaftsgut. Eine Investition ist aktuell über 1.000 Euro netto. Wenn du einen Computer anschaffst, schreibst du den über mehrere Jahre ab – aber das würde jetzt den Rahmen sprengen.
Der Businessplan: Deine Checkliste fürs Gründen
Der Businessplan ist aus meiner Sicht nicht viel mehr als der Versuch, die verschiedenen Gedanken in eine Form zu bringen. Wie eine Art Checkliste gehst du verschiedene Punkte durch:
- Gedanken über dich persönlich
- Deine Kunden
- Dein Angebot
- Deine Preissituation
- Deine Konkurrenz
- Der Markt
Die relevanten Fragen sind hier checklistenartig vorgegeben, und du kannst mal schauen, was dir dazu einfällt.
Die Zeitplanung: Von der Idee zur Meilenstein-Liste
Wenn deine Geschäftsidee irgendwo rund ist und du dir überall Gedanken gemacht hast, dann geht es um die Zeitplanung. Ob du das in Excel machst, in deinem Kalender oder auf einem Stück Papier aufzeichnest – wurscht. Aber diese Meilensteine, dass du dir einfach mal alles notierst!
Welche Punkte sind dir zugeflogen oder haben sich ergeben aus deiner Planumsatzkalkulation, aus deinem Businessplan? Diese Dinge musst du in die Umsetzung bringen. Und dann schauen: Was ist wichtig bis zur Gründung? Was ist wichtig nach der Gründung, wo es dann losgeht?
Das magische Dreieck: Zeit, Qualität und Geld
Wie bei jedem Projekt gibt es auch beim Gründungsprojekt dieses Spannungsfeld zwischen Zeit, Qualität und Geld. Eine Klarheit im Plan entsteht dann, wenn du diese drei Dinge in Balance hast:
- Was will ich machen? (Businessplan)
- Wo kommt das Geld her? Wie viel habe ich zu welchen Zeitpunkten? (Finanzplan)
- Was bedeutet das für meine Zeitplanung? (Meilensteinplan)
Die Macht der richtigen Prioritäten
Oft stehen in den Plänen von Gründern Prioritäten, die man durchaus challengen kann. Brauche ich wirklich zuerst eine Ausbildung? Muss ich tatsächlich auf Netzwerkveranstaltungen? Die Webseite – wirklich oberste Priorität?
Der Weg zum klaren Plan ist nicht, möglichst komplex alles abzudecken. Im Gegenteil: Wir müssen sehr stark reduzieren! Wir packen den Rucksack mal ein bisschen aus, machen ihn leichter. Das, das und das brauchst du für das erste Jahr. Wenn du das erste Jahr gut hinter dir hast, dann kommen vielleicht neue Dinge dazu – oder du bist ohnehin schon so viel Erfahrung weiter, dass sich manches erübrigt hat.
Die Unknown Unknowns: Was du nicht weißt, dass du es nicht weißt
Die größte Herausforderung bei deinem klaren Plan sind nicht die Dinge, die du weißt, sondern die Dinge, die du nicht weißt. Das Problem entsteht in dem Moment, wo wir Dinge nicht vorhersehen können, obwohl wir sie eigentlich schon wissen könnten – weil es andere Menschen gibt, die sie wissen.
Genau hier liegt die Stärke von jemandem, der solche Prozesse begleitet. Als Gründungsberater erkenne ich Muster. Die Geschäfte mögen unterschiedlich sein, aber der Gründungsprozess oder das erste Jahr verläuft nach Mustern. Wenn wir so einen Plan für das erste Jahr vorgelegt bekommen, dann sehen wir: Das scheint realistisch, das passt, aber da fehlt noch was.
Ein Wort zum Schluss
Die Entwicklung eines klaren Plans für dein erstes Gründungsjahr ist keine Raketenwissenschaft – aber sie braucht Struktur, die richtigen Tools und manchmal auch einen externen Blick. Die investierten zwei, drei Stunden in eine professionelle Beratung zahlen sich, keine Ahnung, hundertfach aus.
Wenn dir gerade der Kopf steht und du nicht weißt, wo du anfangen sollst: Das ist normal! Du musst das nicht alleine durchstehen. Im kostenlosen Gründungs-Checkup helfen wir dir, den Rucksack leichter zu machen und beim Strukturieren. Wir haben genug Werkzeuge in unserem Koffer, wo wir was mitgeben können. Probier es mal aus – vielleicht ist genau das der erste Schritt zu deinem klaren Plan!
