#93: Was, wenn 1000 Andere das Gleiche machen wie ich?

Der Podcast

Warum Konkurrenz eine gute Nachricht für deine Gründung ist

“Was, wenn tausend andere das Gleiche anbieten wie ich?” Diese Frage taucht in Gründungsgesprächen immer wieder auf – meistens mit einem gewissen Unterton der Resignation. Die Vorstellung, in einem überfüllten Markt zu starten, kann durchaus einschüchternd sein. Doch was, wenn ich dir sage, dass diese vermeintliche Bedrohung eigentlich eine der besten Nachrichten für deine Gründung ist?

Das Konkurrenz-Paradox: Warum viele Anbieter ein gutes Zeichen sind

Es klingt auf den ersten Blick widersprüchlich, aber es ist eine essentielle Wahrheit: Es wäre wahrscheinlich gar nicht gut, wenn du der Einzige am Markt wärst mit deiner Geschäftsidee. Dafür gibt es zwei mögliche Gründe.

Der erste Grund: Du bist tatsächlich so genial und hast eine Geschäftsidee, die wirklich noch nie jemand hatte. Das kommt vor – aber relativ selten. Der zweite Grund ist deutlich wahrscheinlicher: Diese Geschäftsidee hat es schon einmal gegeben, vielleicht sogar mehrfach, aber sie existiert nicht mehr. Warum? Weil sie sich am Markt nicht etablieren konnte, weil es dafür schlichtweg keinen Markt gibt.

Wenn es andere gibt, die das Gleiche oder Ähnliches anbieten, dann ist ein Markt da. Es gibt Kunden, die grundsätzlich das nachfragen. Es gibt Angebote, die Geld bringen. Im ersten Schritt ist das eine wirklich gute Nachricht: Konkurrenz bedeutet, dass du deine potenziellen Kunden finden kannst.

Der Bildungsauftrag: Wenn andere die Arbeit schon erledigt haben

Stell dir vor, du musst deinen Kunden erst einmal erklären, was du überhaupt tust und warum das notwendig ist. Das ist sehr anstrengend und ressourcenintensiv. Wenn du hingegen kein Friseur bist, sondern der zwanzigste in deinem Grätzl, dann wissen die Kunden schon, wozu und warum. Sie haben bereits eine Vorstellung davon, was sie kriegen.

Die anderen haben diese Bildungsaufgabe also schon für dich erledigt. Das ist ein enormer Vorteil, der häufig unterschätzt wird. Du kannst direkt mit deinem eigentlichen Angebot starten, statt erst einmal Grundlagenarbeit leisten zu müssen.

Markteintrittsbarrieren: Nicht jeder Markt ist gleich zugänglich

Natürlich ist es so, dass in bestimmten Branchen die Konkurrenz größer ist als in anderen. In der Betriebswirtschaft nennen wir das die Markteintrittsbarrieren – also die Hürden, die man überwinden muss, um an einem Markt teilnehmen zu können.

In vielen Märkten sind diese Hürden relativ gering. Das betrifft auch uns als Unternehmensberater: Um Gründungsberater zu sein, reicht es im Prinzip, einen Laptop zu haben, vielleicht ein Handy. Wenn es so einfach ist, in einen Markt einzutreten, dann werden das auch mehr tun.

Ein extremes Gegenbeispiel: Die Markteintrittsbarrieren in das Flughafen-Business sind wesentlich höher. Deswegen gibt es auch nicht so viele Flughäfen. Oder denk an jemanden, der mit Drohnen Vermessungsarbeiten macht – da braucht es anderes Equipment, technisches Know-how, behördliche Genehmigungen wegen Flugverbotszonen. Die Eintrittshürde ist deutlich höher, das macht nicht so schnell jemand.

Wenn du also sagst, “Es gibt so viel Konkurrenz, weil die Markteintrittsbarrieren so niedrig sind”, dann überleg dir: Kannst du auf einen Markt wechseln, wo diese Barrieren höher sind? Manchmal passiert das durch längere Ausbildungen – Notare, Steuerberater, Fachärzte müssen viele Jahre in ihre Qualifikation investieren. Dafür haben sie dann aber auch weniger Konkurrenz.

Das Wort “gleich” ist eine Täuschung

Jetzt kommt der entscheidende Punkt: Das Wort “gleich” führt in die Irre. Die Angebote sind grundsätzlich nicht gleich. Es wirkt vielleicht auf den ersten Blick so, als ob tausend Unternehmensberater alle das Gleiche anbieten. Aber jede Person bringt einen anderen Wissensschatz mit, einen anderen Erfahrungshintergrund, ein anderes Netzwerk, eine andere Persönlichkeit.

Selbst wenn du im selben Bereich tätig bist – Prozessoptimierung, Projektmanagement, all diese Facetten eines Unternehmensberaters – schwingt immer noch die eigene Person und Persönlichkeit mit hinein. Und da ist diese Vergleichbarkeit gar nicht gegeben.

Positionierung: Von der monopolistischen Konkurrenz

Was ich gerade beschrieben habe, läuft in der Betriebswirtschaft unter dem Thema Positionierung. Die Richtung, in die wir uns entwickeln wollen, ist das, was wir monopolistische Konkurrenz nennen: Es gibt zwar viel Konkurrenz, aber diese Konkurrenz besteht eigentlich aus lauter Monopolen.

Jeder hat etwas, was nur er macht oder nur er kann, und deswegen berühren wir uns gar nicht so stark. Auch wenn es hunderttausend Unternehmensberater gibt – wenn jeder von uns etwas anderes macht, sind wir gar nicht wirklich Konkurrenten. Jeder hat seinen Teil des Marktes, der klar abgegrenzt ist. Wir kommen uns gar nicht sehr in die Quere.

Der große Vorteil der Spezialisierung ist: Kunden suchen oft nach speziellen Dingen. Es gibt die einen, die sagen, “Ich möchte deine Meinung hören – du als Person, dein Blick auf die Dinge, das ist mir wichtig.” Und dann gibt es andere Kunden, die sagen, “Ich buche dich, weil du genau diesen Background hast” – oder absichtlich, weil du ihn nicht hast.

Unser eigenes Beispiel: “Leiwand gründen”

Wenn man uns als Beispiel nimmt: Unser Podcast heißt “Leiwand gründen”. Das ist bereits unsere Spezialisierung, unser Zugang zum Markt. Wir wollen eine gewisse Leichtigkeit drin haben, wir haben einen regionalen Bezug. Diese spezielle Form der Gründungsberatung gibt es vielleicht nicht so oft am Markt – da ist die Konkurrenz überschaubar.

Wir dürfen uns unseren Markt definieren. Wir suchen uns von unserem Markt ein bestimmtes Segment aus und in dem wollen wir agieren. Wir sind vielleicht weniger für die klassischen Startups, wie man sie kennt, sondern mehr in Richtung Solopreneure, Soloselbstständige. Wir schauen, dass das Geschäftsmodell zum Lebensmodell passt und umgekehrt. Dadurch werden wir unterscheidbarer von den anderen.

Zwei wesentliche Strategien gegen das Konkurrenz-Dilemma

Aus dem Dilemma der tausend anderen – und das ist im Prinzip das Dilemma der Vergleichbarkeit – gibt es zwei wesentliche Auswege:

Strategie 1: Den Markt wechseln. Du darfst in einen Markt gehen, wo es nicht so viele gibt, der vielleicht noch unterserviciert ist, wo die Markteintrittsbarrieren höher sind. Du musst ja nicht einen Markt nehmen, der sehr “crowded” ist, wo viel los ist.

Strategie 2: Kreativ differenzieren. Selbst wenn du auf einem Markt bist, der sehr dicht ist, wo es viel Konkurrenz gibt, ist der Markt ja immer noch nicht gleich der Markt, und wir bieten nicht alle das Gleiche an. Du hast Gestaltungsmöglichkeiten. Du kannst kreativ sein, innovativ sein, ein bisschen um die Ecke denken – oder zweimal oder dreimal um die Ecke denken.

Das stationäre Business als Sonderfall

An diesem Punkt lohnt sich ein Gedankenexperiment: Es geht nicht darum, absichtlich anders zu sein. Manchmal passt es auch, wenn du das gleiche Café wie nebenan bist. Warum? Weil das andere einfach begrenzte Plätze hat, und dann sind die Gäste froh, wenn sie sagen können, “Ich hätte es so gerne dort, aber daneben ist eh auch noch etwas frei.” Dann setzen sie sich dorthin und können genauso ihr Getränk und die Sonne genießen.

Diese Vergleichbarkeit oder dieses Problem des dichten Marktes entsteht eigentlich erst durch das Online-Business. In dem Moment, wo du stationäres Business hast, wo du ein Kaffeehaus bist, hast du die Beschränkung schon allein durch die Region. Der Standort begrenzt dich natürlich, weil der Platz nicht unendlich ist. Du hast schon deswegen Grenzen am Markt.

Das Konkurrenzproblem ist eher ein Problem der Globalisierung. Wir beide sind ja nicht nur Konkurrenten mit den Unternehmensberatern in Wien, sondern eigentlich weltweit – oder zumindest im deutschsprachigen Raum. Dadurch sinken durch das Internet wieder Markteintrittsbarrieren, die regionale Komponente geht fast verloren. Aber es ermöglicht uns natürlich auch, den Markt zu erweitern – es geht ja in beide Richtungen.

Der Bonus-Tipp: Von der Konkurrenz lernen

Wenn du Konkurrenz hast, musst du nicht alle Fehler selber machen. Du kannst schauen, was bei der Konkurrenz nicht funktioniert hat, und das dann nicht selber kopieren. Du kannst nur schauen, was die Konkurrenz gut macht, und das dann auch machen. Man kann lernen von den anderen Marktteilnehmern – das ist ein enormer Vorteil, der häufig übersehen wird.

Keine Angst vor der Konkurrenz

Die abschließende Zusammenfassung lautet: Hab keine Angst vor deiner Konkurrenz. Sag nicht, “Es gibt schon so viele, deswegen kann ich es nicht mehr machen.” Das wäre die völlig falsche Herangehensweise. Es gibt schon hunderttausend Yoga-Lehrerinnen, deswegen kannst du nicht mehr? Das stimmt nicht.

Es gibt immer Möglichkeiten. Und wenn das das ist, was du machen möchtest, wenn du mit Herzblut dabei bist, dann lohnt es sich, da genauer hinzuschauen. Der Markt ist groß genug – du musst nur deinen Platz darin finden.

Ein Wort zum Schluss

Die Frage “Was, wenn tausend andere das Gleiche anbieten?” basiert auf einer falschen Prämisse. Niemand bietet exakt das Gleiche an wie du – weil niemand du ist. Deine Persönlichkeit, deine Erfahrungen, dein spezifischer Zugang, deine Art der Kommunikation: All das macht dich einzigartig und lässt dich aus der Masse herausstechen.

Konkurrenz ist nicht dein Feind – sie ist der Beweis dafür, dass ein Markt existiert. Jetzt liegt es an dir, deinen individuellen Platz in diesem Markt zu definieren und zu besetzen.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup analysieren wir gemeinsam, wie du dich in deinem Markt positionieren kannst und was dich wirklich einzigartig macht. Manchmal braucht es nur einen Perspektivenwechsel, um aus der vermeintlichen Bedrohung durch Konkurrenz eine echte Chance zu machen!

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