Der Podcast
Kommunikation in der Selbstständigkeit: Warum die richtige Übersetzung über Erfolg oder Misserfolg entscheidet
“Wir bieten eine modulare End-to-End-Lösung zur Prozessor-Automatisierung im Bereich Supply-Chain-Management, die über APIs sämtliche IP-Schnittstellen in Echtzeit synchronisiert.” – Bei diesem Satz ist Markus Feigl, unser Gast in der aktuellen “Leiwand gründen” Folge, beim dritten Wort ausgestiegen. Und er ist Kommunikationsprofi! Was sagt uns das über unsere eigene Art zu kommunizieren?
Der Journalismus als Kommunikations-Universität
Markus Feigl bringt eine spannende Perspektive mit: Als Journalist war seine tägliche Aufgabe, komplexe Sachverhalte so zu übersetzen, dass sie “die Oma zu Hause auch versteht”. Diese Fähigkeit – komplizierte Dinge einfach zu erklären – ist heute die Grundlage seiner Arbeit als PR-Berater, Trainer und systemischer Coach an sechs Universitäten.
Der große gemeinsame Nenner all seiner Tätigkeiten? Kommunikation. Und zwar nicht nur die schöne, theoretische Variante, sondern die handfeste, praktische Art der Verständigung, die darüber entscheidet, ob dein Business funktioniert oder nicht.
Das Übersetzungs-Dilemma: Wenn Experten-Sprech zum Verkaufskiller wird
Die Geschichte mit der “modularen End-to-End-Lösung” ist kein Einzelfall. Dahinter versteckte sich nämlich etwas ziemlich Simples: Eine Software, die Unternehmen Zeit und Geld spart, weil sie Routineaufgaben wie Bestellungen oder Rechnungen automatisch erledigt. Das Resultat für die Kunden: weniger Fehler, mehr Tempo und Mitarbeiter, die sich endlich um die wichtigen Dinge kümmern können.
Siehst du den Unterschied? Statt technischer Begriffe, die nur Insider verstehen, haben wir konkrete Vorteile, die jeder nachvollziehen kann. Der Kunde sieht nicht die API-Schnittstelle – er sieht, dass er früher Feierabend machen kann, weil die Software ihm Arbeit abnimmt.
Die doppelte Übersetzungs-Herausforderung
Als Selbstständiger stehst du vor einer doppelten Übersetzungsaufgabe: Zunächst musst du das, was in deinem Kopf passiert, für dich selbst verständlich machen. Viele scheitern bereits hier – sie wissen zwar, dass sie etwas Gutes anbieten, können aber nicht klar artikulieren, was das eigentlich ist.
Der zweite Schritt ist dann die Übersetzung für deine Kunden. Und hier gilt der alte Grundsatz: Der Fisch muss dem Köder schmecken, nicht dem Angler. Du musst dich immer auf deine Zielgruppe einstellen, nicht umgekehrt.
Kommunikation ist Dialog, nicht Monolog
Ein entscheidender Punkt, den viele übersehen: Kommunikation funktioniert nur als Dialog. Zu oft senden Selbstständige nur Botschaften hinaus, ohne zu prüfen, was ankommt. Das ist wie ein Online-Meeting, bei dem alle ihre Kamera ausgeschaltet haben – du redest ins Leere und hast keine Ahnung, ob jemand zuhört.
Die Lösung? Aktiv nachfragen. Feedback einholen. Den Call to Action nicht vergessen: “Was denkst du darüber?”, “Welche Erfahrungen hast du gemacht?”, “Was würde dir helfen?” Diese einfachen Fragen können den entscheidenden Unterschied machen zwischen einer Botschaft, die verpufft, und einer echten Verbindung zu deinen Kunden.
Die Macht der richtigen Sparringspartner
Zur Schärfung deines Angebots brauchst du Sparringspartner – alleine schaffst du das nicht. Markus bringt ein schönes Beispiel aus seinem Uni-Alltag: Wenn er fragt, “Was interessiert euch denn zum Thema ‘Stadt von morgen’?”, kommen Vorschläge wie “Vertical Gardening” oder “feministische Städteplanung” – Ideen, auf die er als “alter weißer Mann” nicht gekommen wäre.
Das zeigt: Die besten Inputs kommen oft von dort, wo du sie am wenigsten erwartest. Deswegen sind echte Gespräche mit echten Menschen die beste Marktforschung, die du machen kannst.
Wiederholung macht den Meister
Ein Kommunikations-Grundsatz, der oft unterschätzt wird: Wiederholung ist entscheidend. Der amerikanische Pastor Billy Graham hat es so formuliert: “Erst erzähle ich den Leuten, was ich ihnen erzählen werde. Dann erzähle ich ihnen, was ich ihnen erzählen will. Und dann erzähle ich ihnen, was ich ihnen gerade erzählt habe.”
Diese ständige Wiederholung deiner Kernbotschaft – über verschiedene Kanäle und in verschiedenen Worten – bringt sie in die Köpfe. Nicht die Reichweite entscheidet, sondern dass du die richtigen Leute mit der richtigen Botschaft erreichst.
Die Jiu-Jitsu-Journalist-Story: Qualität schlägt Quantität
Markus’ Instagram-Account “Jiu-Jitsu-Journalist” hatte nur 500 Follower – aber die richtigen. Als er in Amsterdam trainierte und die Leute am Tisch fragten: “Wie heißt du auf Instagram?”, war die Reaktion eindeutig: “Wow! That’s you?” Sechs Leute, die sich alle für Jiu-Jitsu interessierten, kannten seinen kleinen Account.
Das zeigt: 500 echte Fans sind mehr wert als 10.000 zufällige Follower. Die richtigen Menschen zu erreichen ist wichtiger, als möglichst viele zu erreichen.
Die Klarheits-Formel: Kurz und knackig
Markus’ wichtigster Rat für alle Gründer: “Weiß genau, was du dem Kunden nützt und wie du es ihm sagst. Bring deine Botschaft, schärf sie wirklich und mach sie auch so kurz und knackig wie möglich.”
Hier kommt das berühmte Goethe-Zitat ins Spiel (auch wenn es wahrscheinlich nicht von Goethe stammt): “Es tut mir leid, dass ich dir heute so einen langen Brief schreibe, aber für einen kurzen hatte ich keine Zeit.” Kurz und prägnant zu formulieren ist Arbeit – aber diese Arbeit zahlt sich aus.
Fallstricke vermeiden: Was du nicht tun solltest
Im Gespräch mit Kunden lauern einige Fallen:
- Zu viel über dich selbst reden, statt zuzuhören
- Mit einem Fragebogen dasitzen statt ein natürliches Gespräch zu führen
- Den Verhör-Charakter nicht vermeiden
- Keinen Mehrwert für den Kunden schaffen
Systemisches Coaching lehrt: Aktiv zuhören und dann gezielte, wertschätzende Fragen stellen. Das Gespräch soll für beide Seiten wertvoll sein.
Der Mut zum ersten Schritt
Am Ende braucht gute Kommunikation vor allem eines: Mut. Den Mut, auf Menschen zuzugehen. Den Mut, nachzufragen. Den Mut, auch mal zu scheitern und es beim nächsten Mal besser zu machen.
Wenn du mit Empathie auf Leute zugehst und ehrlich interessiert bist an ihrer Meinung, dann funktioniert das auch. Die meisten Menschen sind nicht böse, wenn man sie wertschätzend um Feedback bittet.
Ein Wort zum Schluss
Kommunikation in der Selbstständigkeit ist im Kern einfach: Es geht darum, in einen guten Dialog zu kommen. Die Komplexität liegt in den Details – aber das Grundprinzip bleibt simpel.
Wenn du merkst, dass deine Kommunikation nicht funktioniert, frag dich erst: Bin ich mir selbst klar darüber, was ich eigentlich sagen will? Oft liegt das Problem nicht in der Kommunikation, sondern in der fehlenden Klarheit über das eigene Angebot.
Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir uns gemeinsam an, wie du deine Botschaft so schärfen kannst, dass sie bei deinen Kunden ankommt. Manchmal braucht es nur einen neutralen Blick von außen, um die entscheidende Wendung zu finden!
Die Links
Markus Feigls Website: www.zeitungsmacher.org
Markus Feigl auf Instagram: @zeitungsmacher
Problemcoach.at – Markus’ Coaching-Angebot
