Der Podcast
Große Idee, kleine Ressourcen: Warum Right-Sizing der Schlüssel zum Gründungserfolg ist
Eine Online-Plattform für nachbarschaftliches Teilen – genial! Ein komplettes Bildungsinstitut von null auf – ambitioniert! Doch manchmal sind die besten Ideen einfach zu groß für eine Person. Eine “Leiwand gründen” Geschichte über das Right-Sizing von Geschäftsideen und warum weniger manchmal mehr ist.
Die Share-Economy-Vision: Genial, aber gigantisch
Ein Gründer aus England wollte eine Online-Plattform schaffen, die es Nachbarn ermöglicht, sich Dinge auszuborgen – Werkzeug, Küchengeräte, Sportausrüstung. Statt alles zu kaufen, könnte man ressourcenschonend teilen und gegen eine Leihgebühr nutzen.
Die Idee war brilliant:
- Nachhaltigkeit durch Sharing Economy
- Kosteneinsparung für Nutzer
- Community-Building in der Nachbarschaft
- Einnahmen durch Leihgebühren
Das Problem: Ein Solo-Gründer wollte das komplett alleine stemmen.
Was alles dahintersteckt
Technische Anforderungen:
- Plattform-Entwicklung und -wartung
- Mobile App für iOS und Android
- Zahlungssystem und Sicherheit
- Bewertungs- und Vertrauenssystem
Operative Herausforderungen:
- Customer Support und Konfliktlösung
- Versicherungsabwicklung bei Schäden
- Marketing und Community-Aufbau
- Rechtliche Absicherung
Die Realität: Was normalerweise ein ganzes Team beschäftigt, wollte eine Person alleine machen.
Das Bildungsinstitut-Trauma
Eine ähnliche Geschichte aus den Anfängen der Gründungsberatung: Eine junge, engagierte Frau wollte ein komplettes Bildungsinstitut alleine gründen. Seminarplanung, Kurse leiten, Verwaltung, Marketing, Behördenwege – alles in einer Person.
Die schmerzhafte Wahrheit: “So wird das nicht funktionieren. Ich rate davon ab.”
Die Reaktion: Erste Enttäuschung, dann Dankbarkeit. Eine Woche später kam ein E-Mail: “Danke, dass Sie mir das gesagt haben. Sie hatten recht. Ich habe einen anderen Weg gefunden.”
Das Konzept des Right-Sizing
Right-Sizing stammt aus der Kostenrechnung und bedeutet: etwas in die richtige Größe bringen, damit es optimal funktioniert.
Bei Gründungen heißt das:
- Grenzen so setzen, dass es für eine Person passt
- Raum zum Reinwachsen schaffen
- Vom ersten Tag an nicht völlig überfordert sein
- Stress reduzieren statt verstärken
Moderne Möglichkeiten für Solopreneure
Die gute Nachricht: Heute haben Solo-Gründer mehr Optionen als früher:
- Software-Tools für fast alles
- Künstliche Intelligenz als Unterstützung
- Outsourcing für Spezialbereiche
- No-Code/Low-Code-Plattformen
Aber: Auch mit diesen Tools kann ein Projekt für eine Person zu komplex sein.
Die Kunst der richtigen Größe
Statt zu groß zu starten:
- Mit den vorhandenen Skills beginnen
- Erste Umsätze mit bestehenden Mitteln generieren
- Step-by-Step wachsen lassen
- Das Fundament Stück für Stück ausbauen
Der Vorteil: Weniger Demotivation, weniger Hürden, schnellere erste Erfolge.
An Bestehendes andocken
Die oft übersehene Option: Nicht alles neu erfinden, sondern an bestehende Strukturen anknüpfen.
Beispiele:
- Nachbarschaftshilfe-Vereine gibt es bereits
- Bestehende Plattformen könnten erweitert werden
- Kooperationen mit ähnlichen Initiativen
- Als Puzzlestück zu einem größeren Ganzen beitragen
Der Marktanalyse-Mythos
Typischer Gründer-Glaube: “Das gibt es nicht am Markt!”
Die Realität: Es ist extrem unwahrscheinlich, dass man der erste Mensch ist, der ein bestimmtes Problem erkannt hat.
Was wahrscheinlich existiert:
- Ähnliche Lösungsansätze
- Menschen mit demselben Problem
- Teilweise umgesetzte Ideen
- Verwandte Projekte in anderen Bereichen
Die Recherche-Falle
Eine Stunde Internet-Recherche gibt noch kein vollständiges Marktbild. Oberflächliches Suchen führt oft zu falschen Schlüssen: “Gibt es nicht” statt “Habe ich nicht richtig gesucht.”
Hilfreiche Tools:
- WKO-Standortanalyse für Konkurrenz und Kooperationspartner
- Tiefere Marktanalyse über mehrere Tage
- Gespräche mit potenziellen Kunden
- Besuch von Branchenveranstaltungen
Der Selbstständigkeits-Pendel
Das Dilemma: Nach Jahren der Fremdbestimmung schlägt der Pendel oft zu weit aus. “Jetzt mache ich alles alleine” wird zum Dogma.
Besser: Selektive Unabhängigkeit – unabhängig in den wichtigen Bereichen, kooperativ wo es Sinn macht.
Markt als Mitstreiter, nicht nur Konkurrenz
Umdenken erforderlich: Der Markt besteht nicht nur aus Konkurrenz, sondern auch aus potenziellen Partnern.
Möglichkeiten:
- Kooperationen statt Konkurrenz
- Gemeinsame Ressourcen nutzen
- Voneinander lernen
- Zusammen größere Projekte stemmen
Das Happy End der Plattform-Geschichte
Plot Twist: Der Gründer hat nicht die ursprüngliche Plattform gebaut, sondern ist mit seinen vorhandenen Skills sehr erfolgreich geworden.
Die Lektion: Manchmal führt das “Scheitern” der ursprünglichen Idee zum besseren Weg.
Das Dankeschön: Ein E-Mail nach Jahren: “Es geht mir gut und ich bin dankbar für das Gespräch damals.”
Wann ist eine Idee zu groß?
Warnsignale:
- Man bräuchte ein ganzes Team vom ersten Tag an
- Fünf verschiedene Expertenbereiche sind nötig
- Die To-Do-Liste ist endlos lang
- Man weiß nicht, womit anfangen
- Behördliche Hürden sind komplex
Die Alternative: Nicht die Idee aufgeben, sondern clever verkleinern.
Right-Sizing in der Praxis
Schritt 1: Kernkompetenz identifizieren Schritt 2: Minimal Viable Product definieren
Schritt 3: Erste Version mit vorhandenen Mitteln umsetzen Schritt 4: Schritt für Schritt erweitern Schritt 5: Bei Erfolg skalieren oder Team aufbauen
Lektionen für angehende Gründer
Größe ist nicht alles: Eine kleine, funktionierende Lösung ist besser als eine große, die nie fertig wird.
Kooperation statt Isolation: Anderen auf die Schulter zu klopfen kann klüger sein als alles alleine zu machen.
Marktanalyse ernst nehmen: Eine Stunde googeln reicht nicht – investiere Zeit in echte Recherche.
Ego zurückstellen: “Mein Baby” muss nicht revolutionär neu sein, sondern funktionieren.
Fazit: Weniger ist oft mehr
Die besten Gründungsideen scheitern nicht an mangelnder Qualität, sondern an überzogenen Größenvorstellungen. Right-Sizing bedeutet nicht, klein zu denken, sondern realistisch zu planen.
Der Schlüssel liegt darin: Den Mut zu haben, erstmal kleiner anzufangen – und später größer zu werden.
Eine gut dimensionierte Gründung, die funktioniert, ist infinitiv wertvoller als eine gigantische Vision, die nie umgesetzt wird.
Ein Wort zum Schluss
Große Träume sind wichtig – aber sie müssen in machbare Schritte heruntergebrochen werden. Das ist keine Niederlage, sondern strategische Klugheit.
Übrigens: Wenn du eine große Geschäftsidee hast und unsicher bist, ob sie zu groß für den Anfang ist, dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup machen wir gemeinsam ein Right-Sizing und schauen, wie aus deiner Vision ein umsetzbarer erster Schritt wird. Manchmal ist der beste Weg zum großen Ziel ein kleiner Anfang.
