#89: Große Idee, kleine Ressourcen – wenn Sologründer an ihre Grenzen stoßen (Sommergespräche 2025)

Der Podcast

Große Idee, kleine Ressourcen: Warum Right-Sizing der Schlüssel zum Gründungserfolg ist

Eine Online-Plattform für nachbarschaftliches Teilen – genial! Ein komplettes Bildungsinstitut von null auf – ambitioniert! Doch manchmal sind die besten Ideen einfach zu groß für eine Person. Eine “Leiwand gründen” Geschichte über das Right-Sizing von Geschäftsideen und warum weniger manchmal mehr ist.

Die Share-Economy-Vision: Genial, aber gigantisch

Ein Gründer aus England wollte eine Online-Plattform schaffen, die es Nachbarn ermöglicht, sich Dinge auszuborgen – Werkzeug, Küchengeräte, Sportausrüstung. Statt alles zu kaufen, könnte man ressourcenschonend teilen und gegen eine Leihgebühr nutzen.

Die Idee war brilliant:

  • Nachhaltigkeit durch Sharing Economy
  • Kosteneinsparung für Nutzer
  • Community-Building in der Nachbarschaft
  • Einnahmen durch Leihgebühren

Das Problem: Ein Solo-Gründer wollte das komplett alleine stemmen.

Was alles dahintersteckt

Technische Anforderungen:

  • Plattform-Entwicklung und -wartung
  • Mobile App für iOS und Android
  • Zahlungssystem und Sicherheit
  • Bewertungs- und Vertrauenssystem

Operative Herausforderungen:

  • Customer Support und Konfliktlösung
  • Versicherungsabwicklung bei Schäden
  • Marketing und Community-Aufbau
  • Rechtliche Absicherung

Die Realität: Was normalerweise ein ganzes Team beschäftigt, wollte eine Person alleine machen.

Das Bildungsinstitut-Trauma

Eine ähnliche Geschichte aus den Anfängen der Gründungsberatung: Eine junge, engagierte Frau wollte ein komplettes Bildungsinstitut alleine gründen. Seminarplanung, Kurse leiten, Verwaltung, Marketing, Behördenwege – alles in einer Person.

Die schmerzhafte Wahrheit: “So wird das nicht funktionieren. Ich rate davon ab.”

Die Reaktion: Erste Enttäuschung, dann Dankbarkeit. Eine Woche später kam ein E-Mail: “Danke, dass Sie mir das gesagt haben. Sie hatten recht. Ich habe einen anderen Weg gefunden.”

Das Konzept des Right-Sizing

Right-Sizing stammt aus der Kostenrechnung und bedeutet: etwas in die richtige Größe bringen, damit es optimal funktioniert.

Bei Gründungen heißt das:

  • Grenzen so setzen, dass es für eine Person passt
  • Raum zum Reinwachsen schaffen
  • Vom ersten Tag an nicht völlig überfordert sein
  • Stress reduzieren statt verstärken

Moderne Möglichkeiten für Solopreneure

Die gute Nachricht: Heute haben Solo-Gründer mehr Optionen als früher:

  • Software-Tools für fast alles
  • Künstliche Intelligenz als Unterstützung
  • Outsourcing für Spezialbereiche
  • No-Code/Low-Code-Plattformen

Aber: Auch mit diesen Tools kann ein Projekt für eine Person zu komplex sein.

Die Kunst der richtigen Größe

Statt zu groß zu starten:

  • Mit den vorhandenen Skills beginnen
  • Erste Umsätze mit bestehenden Mitteln generieren
  • Step-by-Step wachsen lassen
  • Das Fundament Stück für Stück ausbauen

Der Vorteil: Weniger Demotivation, weniger Hürden, schnellere erste Erfolge.

An Bestehendes andocken

Die oft übersehene Option: Nicht alles neu erfinden, sondern an bestehende Strukturen anknüpfen.

Beispiele:

  • Nachbarschaftshilfe-Vereine gibt es bereits
  • Bestehende Plattformen könnten erweitert werden
  • Kooperationen mit ähnlichen Initiativen
  • Als Puzzlestück zu einem größeren Ganzen beitragen

Der Marktanalyse-Mythos

Typischer Gründer-Glaube: “Das gibt es nicht am Markt!”

Die Realität: Es ist extrem unwahrscheinlich, dass man der erste Mensch ist, der ein bestimmtes Problem erkannt hat.

Was wahrscheinlich existiert:

  • Ähnliche Lösungsansätze
  • Menschen mit demselben Problem
  • Teilweise umgesetzte Ideen
  • Verwandte Projekte in anderen Bereichen

Die Recherche-Falle

Eine Stunde Internet-Recherche gibt noch kein vollständiges Marktbild. Oberflächliches Suchen führt oft zu falschen Schlüssen: “Gibt es nicht” statt “Habe ich nicht richtig gesucht.”

Hilfreiche Tools:

  • WKO-Standortanalyse für Konkurrenz und Kooperationspartner
  • Tiefere Marktanalyse über mehrere Tage
  • Gespräche mit potenziellen Kunden
  • Besuch von Branchenveranstaltungen

Der Selbstständigkeits-Pendel

Das Dilemma: Nach Jahren der Fremdbestimmung schlägt der Pendel oft zu weit aus. “Jetzt mache ich alles alleine” wird zum Dogma.

Besser: Selektive Unabhängigkeit – unabhängig in den wichtigen Bereichen, kooperativ wo es Sinn macht.

Markt als Mitstreiter, nicht nur Konkurrenz

Umdenken erforderlich: Der Markt besteht nicht nur aus Konkurrenz, sondern auch aus potenziellen Partnern.

Möglichkeiten:

  • Kooperationen statt Konkurrenz
  • Gemeinsame Ressourcen nutzen
  • Voneinander lernen
  • Zusammen größere Projekte stemmen

Das Happy End der Plattform-Geschichte

Plot Twist: Der Gründer hat nicht die ursprüngliche Plattform gebaut, sondern ist mit seinen vorhandenen Skills sehr erfolgreich geworden.

Die Lektion: Manchmal führt das “Scheitern” der ursprünglichen Idee zum besseren Weg.

Das Dankeschön: Ein E-Mail nach Jahren: “Es geht mir gut und ich bin dankbar für das Gespräch damals.”

Wann ist eine Idee zu groß?

Warnsignale:

  • Man bräuchte ein ganzes Team vom ersten Tag an
  • Fünf verschiedene Expertenbereiche sind nötig
  • Die To-Do-Liste ist endlos lang
  • Man weiß nicht, womit anfangen
  • Behördliche Hürden sind komplex

Die Alternative: Nicht die Idee aufgeben, sondern clever verkleinern.

Right-Sizing in der Praxis

Schritt 1: Kernkompetenz identifizieren Schritt 2: Minimal Viable Product definieren
Schritt 3: Erste Version mit vorhandenen Mitteln umsetzen Schritt 4: Schritt für Schritt erweitern Schritt 5: Bei Erfolg skalieren oder Team aufbauen

Lektionen für angehende Gründer

Größe ist nicht alles: Eine kleine, funktionierende Lösung ist besser als eine große, die nie fertig wird.

Kooperation statt Isolation: Anderen auf die Schulter zu klopfen kann klüger sein als alles alleine zu machen.

Marktanalyse ernst nehmen: Eine Stunde googeln reicht nicht – investiere Zeit in echte Recherche.

Ego zurückstellen: “Mein Baby” muss nicht revolutionär neu sein, sondern funktionieren.

Fazit: Weniger ist oft mehr

Die besten Gründungsideen scheitern nicht an mangelnder Qualität, sondern an überzogenen Größenvorstellungen. Right-Sizing bedeutet nicht, klein zu denken, sondern realistisch zu planen.

Der Schlüssel liegt darin: Den Mut zu haben, erstmal kleiner anzufangen – und später größer zu werden.

Eine gut dimensionierte Gründung, die funktioniert, ist infinitiv wertvoller als eine gigantische Vision, die nie umgesetzt wird.

Ein Wort zum Schluss

Große Träume sind wichtig – aber sie müssen in machbare Schritte heruntergebrochen werden. Das ist keine Niederlage, sondern strategische Klugheit.

Übrigens: Wenn du eine große Geschäftsidee hast und unsicher bist, ob sie zu groß für den Anfang ist, dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup machen wir gemeinsam ein Right-Sizing und schauen, wie aus deiner Vision ein umsetzbarer erster Schritt wird. Manchmal ist der beste Weg zum großen Ziel ein kleiner Anfang.

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