Der Podcast
Was tun, wenn das mit dem Gewerbeschein nicht klappt?
Du hast eine großartige Geschäftsidee, bist hochmotiviert – und dann kommt die Absage vom Gewerbeamt. Deine Befähigungen reichen angeblich nicht aus für das reglementierte Gewerbe, das du anmelden wolltest. Ist das jetzt das Ende deiner unternehmerischen Träume? Absolut nicht! Lass uns gemeinsam schauen, welche Wege und Möglichkeiten es gibt, wenn die Gewerbescheinanmeldung nicht auf Anhieb klappt.
Die Ausgangssituation verstehen
Reglementierte Gewerbe wie Unternehmensberater, Lebens- und Sozialberater oder bestimmte Handwerksberufe erfordern spezielle Befähigungsnachweise. Anders als bei freien Gewerben kannst du hier nicht einfach loslegen – du musst bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Diese sind in eigenen Verordnungen, den sogenannten Berufsbildern, genau geregelt.
Das Problem: Die Beurteilung, ob deine Qualifikationen ausreichen, liegt bei der zuständigen Person im Gewerbeamt. Und hier entsteht ein gewisser Interpretationsspielraum – besonders dann, wenn es keine eindeutige Meisterprüfung gibt, sondern individuelle Wege über Vorerfahrungen und berufliche Stationen möglich sind.
Deine Optionen nach einer Absage
Eine Absage vom Gewerbeamt ist kein Weltuntergang. Es gibt mehrere Wege, wie du trotzdem zu deiner Selbstständigkeit kommen kannst:
Option 1: Das eingeschränkte reglementierte Gewerbe
Wenn du den Gewerbeschein nicht in uneingeschränkter Form bekommst, gibt es oft die Möglichkeit einer fachlichen Einschränkung. Das bedeutet konkret:
Statt “Unternehmensberatung” in allen Bereichen anzubieten, könntest du den Gewerbeschein auf einen bestimmten Bereich einschränken lassen – etwa auf Marketing, Personalwesen oder einen anderen Fachbereich, in dem du nachweislich Expertise hast. Diese Einschränkung orientiert sich an deinen tatsächlichen Qualifikationen und Vorerfahrungen.
Beispiel aus der Praxis: Du kommst aus dem HR-Bereich und hast dort jahrelange Erfahrung? Dann könntest du als Unternehmensberater speziell für den Personalbereich zugelassen werden, auch wenn dir die Qualifikation für allgemeine Strategieberatung fehlt.
Option 2: Alternative freie Gewerbe prüfen
Ein freies Gewerbe unterliegt keinen Befähigungsvoraussetzungen – hier kannst du ohne besondere Nachweise starten. Die entscheidende Frage ist: Kannst du dein Angebot so gestalten oder anpassen, dass es unter ein freies Gewerbe fällt?
Konkrete Beispiele:
- Statt Unternehmensberater: Werbeagentur für Marketing-Dienstleistungen
- Statt Lebensberater: Coach ohne therapeutische Elemente
- Statt umfassende Beratung: Spezialisierte Dienstleistungen wie Social Media Management oder Projektmanagement
Der Schlüssel liegt darin, mit der Wirtschaftskammer zu besprechen, welches freie Gewerbe am besten zu deiner geplanten Tätigkeit passt. Die WKO ist dein Verbündeter – sie ist deine Interessensvertretung und hilft dir, die richtige Lösung zu finden.
Option 3: Die Nebentätigkeiten-Regelung nutzen
Österreich kennt eine praktische Regelung, die vielen nicht bekannt ist: Mit einem freien Gewerbe darfst du auch in anderen Bereichen tätig werden – bis zu einem gewissen Grad:
- Bis zu 30% deines Umsatzes in anderen freien Gewerben
- Bis zu 15% deines Umsatzes in reglementierten Gewerben
Praxis-Beispiel: Du hast eine Werbeagentur (freies Gewerbe) und ein Kunde fragt dich, ob du ihm bei seiner Marketingstrategie helfen kannst. Obwohl Strategieberatung eigentlich unter Unternehmensberatung (reglementiert) fällt, darfst du solche Projekte annehmen, solange sie nicht mehr als 15% deines Gesamtumsatzes ausmachen.
Diese Regelung gibt dir Handlungsspielraum zum Ausprobieren und Testen. Wenn du merkst, dass die Nachfrage in diesem Bereich stark wächst, kannst du immer noch zusätzlich den entsprechenden Gewerbeschein beantragen.
Was du auf keinen Fall tun solltest
So verlockend es auch sein mag: Melde niemals ein Gewerbe an und mache dann einfach etwas ganz anderes. Das verstößt gegen die Gewerbeordnung und kann ernsthafte Konsequenzen haben:
- Untersagung der Tätigkeit
- Verwaltungsstrafen
- Probleme bei Versicherungsfällen
- Anzeigen durch Mitbewerber
Es gibt zwar keine “Gewerbepolizei”, die dich aktiv kontrolliert, aber Probleme entstehen meist dann, wenn es Beschwerden von Kunden gibt, ein Versicherungsfall eintritt oder ein neidischer Mitbewerber genauer hinschaut.
Die Wirtschaftskammer als dein Partner
Lass dich nicht von vermeintlich klugen Ratschlägen in Internet-Foren oder von “Experten” verunsichern. Die erste Anlaufstelle für alle Fragen rund um Gewerbescheine sollte immer die Wirtschaftskammer sein:
- Sie kennt die aktuellen Regelungen genau
- Sie berät dich kostenlos
- Sie ist deine Interessensvertretung
- Sie hilft dir, die rechtlich saubere Lösung zu finden
Auch der Dialog zwischen WKO und Gewerbeamt kann manchmal Wunder bewirken. In manchen Fällen gibt es unterschiedliche Einschätzungen, und die WKO kann als Vermittler auftreten.
Flexibilität im Gewerbeschein-Management
Gut zu wissen: Du kannst mehrere Gewerbescheine parallel haben. Und wenn sich deine Geschäftstätigkeit ändert, kannst du Gewerbescheine auch wieder ruhig stellen. Deine Gewerbeanmeldung ist kein starres Korsett, sondern kann sich mit deinem Business entwickeln.
Beispiel: Ein IT-Berater hatte zusätzlich einen Handelsgewerbeschein, weil er anfangs auch Hardware verkauft hat. Als sich sein Geschäft rein auf Softwareberatung konzentrierte, stellte er den Handelsgewerbeschein einfach ruhig.
Strategische Überlegungen für deinen Weg
Bevor du dich für eine Alternative entscheidest, solltest du dir folgende Fragen stellen:
- Welcher Teil meiner Geschäftsidee ist mir am wichtigsten?
- Kann ich mein Angebot so anpassen, dass es zu einem freien Gewerbe passt?
- Macht eine fachliche Einschränkung für mich Sinn?
- Welche Kombination aus verschiedenen Gewerbescheinen könnte funktionieren?
- Wie sieht meine langfristige Vision aus?
Eine Absage ist oft eine Chance, dein Geschäftsmodell noch einmal zu überdenken und vielleicht sogar zu verbessern. Manchmal führt der Umweg über ein alternatives Gewerbe zu einem klareren, fokussierteren Angebot.
Deine nächsten Schritte
Wenn du gerade vor der Situation stehst, dass es mit dem Gewerbeschein nicht geklappt hat, oder wenn du präventiv sicherstellen willst, dass du den richtigen Weg einschlägst:
- Vereinbare ein Gespräch mit der WKO – Stelle deine Situation dar und hole dir professionelle Einschätzung
- Prüfe Alternativen – Welche freien Gewerbe kommen in Frage? Ist eine Einschränkung möglich?
- Plane strategisch – Wie kannst du dein Angebot anpassen, ohne deine Vision aufzugeben?
- Bleibe flexibel – Du kannst später immer noch ergänzende Gewerbescheine beantragen
Ein Wort zum Schluss
Eine Gewerbeschein-Absage fühlt sich im ersten Moment wie eine Sackgasse an. Aber in Wahrheit ist sie oft nur ein Hinweis darauf, dass du einen leicht anderen Weg einschlagen musst. Die gute Nachricht: Es gibt fast immer eine Lösung – sei es durch fachliche Einschränkung, alternative Gewerbe oder die clevere Nutzung der Nebentätigkeiten-Regelung.
Wichtig ist, dass du dich nicht entmutigen lässt und die richtigen Ansprechpartner konsultierst. Die Gewerbeordnung ist komplex, aber mit professioneller Unterstützung findest du den Weg, der zu deiner Geschäftsidee und deinen Qualifikationen passt.
Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam auf deine spezifische Situation und finden heraus, welcher Gewerbeschein oder welche Kombination optimal für dein Vorhaben ist. Lass uns gemeinsam die beste Lösung für deine Selbstständigkeit finden!
