#80: Zwischen Applaus und Einnahmen: Musiker gründen anders (Sommergespräche 2025)

Der Podcast

Musiker gründen anders: Die besonderen Herausforderungen kreativer Selbstständigkeit

“Musiker gründen anders” – diese Erkenntnis aus der Gründungsberatungspraxis bringt die Besonderheiten kreativer Selbstständigkeit auf den Punkt. Was macht eine Gründung in der Musikbranche so einzigartig? Welche Herausforderungen erwarten angehende Musikunternehmer und wie lassen sich diese meistern?

Die Realität der Musikbranche

Wer als Musiker, Sängerin oder Tontechniker den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, betritt ein Terrain mit ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Anders als in klassischen Branchen funktionieren hier die bewährten BWL-Konzepte oft nicht. Die Musikszene tickt fundamental anders – und das spüren Gründungsberater wie Gründer gleichermaßen.

Das Finanzierungsdilemma: Wenn Leidenschaft auf Realität trifft

Eine der größten Herausforderungen liegt in der Finanzierungsstruktur der Branche. Selbst bekannte Künstler haben nicht automatisch ein gesichertes Einkommen. Die Realität sieht oft so aus: Budgets sind knapp, Honorare niedrig und Investitionen in professionelle Dienstleistungen wie Marketing oder Beratung kaum möglich.

Typische Szenarien in der Musikbranche:

  • Solokünstler, die bei mehreren Vereinen als Substitute arbeiten
  • Musiklehrerinnen mit Stunden an verschiedenen Schulen
  • Tontechniker mit eigenem Equipment-Verleih
  • Opernsänger mit zusätzlichem Business-Standbein
  • Bandmitglieder mit parallelen Einkommensquellen

Die Kunst des “Anderen Standbeins”

Fast alle erfolgreichen Musikgründungen haben eines gemeinsam: Sie benötigen eine zusätzliche Einkommensquelle. Das ist keine Schwäche, sondern schlicht Realität. Die Opernsängerin, die sich ein zweites Business aufbaut, um ihre Kunst zu finanzieren, handelt strategisch klug.

Besondere Herausforderungen für Musikunternehmer

Der Übungsaufwand: Zeit für Proben und Üben lässt sich nicht in Rechnungen einpreisen, ist aber essentiell für die Qualität.

Nicht skalierbare Leistungen: Ein Auftritt bleibt ein Auftritt – anders als bei digitalen Produkten gibt es hier keine Skalierungseffekte.

Projektbasierte Honorare: Oft wird für eine zweistündige Performance bezahlt, nicht für die wochenlange Vorbereitung.

Equipment und Technik: Investitionen in Instrumente oder Technik müssen sich über unregelmäßige Einnahmen amortisieren.

Der emotionale Aspekt: Höhen und Tiefen der kreativen Selbstständigkeit

Künstlerische Gründer durchleben oft intensivere emotionale Schwankungen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Die ständige Hinterfragung “Gründen oder nicht gründen?” ist typisch für diese Branche. Hier können systemische Beratungsansätze wie die Tetralemma-Aufstellung helfen, Klarheit zu gewinnen.

Der große Vorteil: Unerschütterlicher Purpose

Was Musikerinnen und Künstler als enormen Vorteil haben, ist ihr klarer “Warum”. Wenn sie auf der Bühne stehen, ihre Musik spielen oder ihr Publikum begeistern, wissen sie genau, wofür sie alle Schwierigkeiten in Kauf nehmen. Dieser starke Purpose trägt sie durch schwierige Phasen.

Erfolgsfaktoren für die Musikgründung

Realistische Planung: Akzeptiere, dass der Weg länger dauert und ein zusätzliches Standbein meist notwendig ist.

Netzwerk aufbauen: Connections sind in der Musikbranche besonders wichtig – investiere Zeit in Beziehungen.

Flexibilität entwickeln: Sei bereit, verschiedene Einkommensquellen zu kombinieren.

Professionelle Unterstützung: Hol dir Hilfe bei Bereichen wie Steuern, Marketing oder Businessplanung.

Verschiedene Wege zum Erfolg

Jeder Musikunternehmer muss seinen individuellen Weg finden. Was für den einen funktioniert, passt nicht zwangsläufig zum anderen. Wichtig ist, ehrlich zu sich selbst zu sein und die eigenen Stärken und Grenzen zu kennen.

Fazit: Anders gründen heißt nicht schlechter gründen

Eine Gründung in der Musikbranche ist zweifellos herausfordernd – aber keineswegs zum Scheitern verurteilt. Mit der richtigen Herangehensweise, realistischen Erwartungen und professioneller Unterstützung lassen sich auch in diesem speziellen Umfeld erfolgreiche Unternehmen aufbauen.

Der Schlüssel liegt darin, die Besonderheiten der Branche zu akzeptieren und darauf aufbauend eine individuelle Strategie zu entwickeln.

Wer als Musiker, Sängerin oder anderer Kunstschaffender mit dem Gedanken der Selbstständigkeit spielt, sollte sich bewusst machen: Du gründest anders – und das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass du deinen ganz eigenen Weg findest und gehst.

Ein Wort zum Schluss

Eine kreative Selbstständigkeit kann der perfekte Weg sein, um deine künstlerischen Träume zu verwirklichen – aber sie ist kein Selbstläufer. Wichtig ist eine realistische Einschätzung deiner Situation und eine sorgfältige Planung, die die Besonderheiten der Musikbranche miteinbezieht.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup analysieren wir gemeinsam, ob eine Selbstständigkeit als Künstler der richtige Weg für dich ist. Lass uns zusammen herausfinden, welches Modell optimal zu deiner kreativen Vision und Lebenssituation passt!

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